Geheimwaffe: Mindest Planner

Geheimwaffe: Mindest Planner

Woche 20

Heute ist ein guter Tag.

Wirklich? JA!

Zweifel Ende.

So, oder so ähnlich beginnen aktuell meine Tage. Als wäre mein Hirn in einem Modus angelangt, der das gar nicht mehr glauben möchte. Vor allem, nicht am Anfang des Tages. Am Ende eines Tages würde mir so eine Aussage auch heute noch definitiv leichter fallen.
Doch wie sehr beeinflusst einen das, wenn man morgens aufsteht und den Tag schon als „verloren“ betrachtet? Mich beeinflusst das sehr. Wache ich auf, mit Rücken- oder Kopfschmerzen, dann ist die Stimmung schon nicht die Beste. Kommen dann noch Lärm, Zeitdruck oder unerwartete Zwischenfälle dazu, dann gibt das eine toxische Mischung in meinen Hirnwindungen. Dabei ist da nichts, das man nicht in den Griff bekommen oder regeln könnte. Es liegt an mir und meiner Einstellung.

Eigentlich sollte ich mir mehr vertrauen. Darauf, dass ich Dinge tatsächlich in den Griff bekomme und auch regeln kann. Ich bin spontan und kreativ was Lösungen betrifft und auch in der Lage Stress zu händeln. Dennoch vergesse ich das all zu oft und der Start in den Tag ist schon zu überwältigend, dass bereits vor der ersten Tasse heißen Kaffee, Resignation Einzug hält. Natürlich sinken dann auch Motivation und positives Denken gleich mit.
Doch es muss noch mehr geben, als sich den immer gleichen, unproduktiven Mustern hinzugeben, denen die eigenen Gedanken nur all zu gerne nachgehen. Und ich habe etwas entdeckt, das mir maßgeblich dabei hilft! Eine Geheimwaffe! Und von dieser möchte ich dir heute berichten!

Es begann Mitte Februar 2022, dass ich nach meinem Burnout-Krankenstand zurück zum AMS (österreichisches Arbeitsamt) ging um erneut die Jobsuche aufzunehmen. Doch meine Erfahrungen mit dem AMS sind alles andere als positiv. Mehr dazu und meinen Weg rein und wieder raus, aus der Arbeitslosigkeit, werde ich dir ganz bald hier verlinken! Die Steine, die das AMS mir in den Weg legte waren groß, aber ich habe dennoch meinen Mut zusammen genommen und die Initiative ergriffen. Und ich wurde belohnt. Denn ich hatte noch in der selben Woche ein Vorstellungsgespräch und bin nun in der Probezeit bei einem neuen Job! WOHOOOO!

Wie? Wo? Was?

Wie. Ich fand diesen Job online bei einer Jobbörse und habe mich sofort angesprochen gefühlt.
Wo. Bei Feenstaub. Einem Atelier für Grafikdesign & Papeterie in Wien.
Was. Als Verantwortliche für Marketing & Sales.

Kann ich das? Ja, ich kann das!
Wobei dies ein Satz ist, den ich erst lernen musste. All zu gerne stelle ich mein Licht unter den Scheffel, wie man so schön sagt. Doch die Ermutigungen meiner Freunde und das gedankliche Sammeln meiner Erfahrungen, gaben mir den Mut, mich zu bewerben. Es hat geklappt und ich bin mehr als glücklich und dankbar darüber!

Doch die Schatten, die man mit sich trägt verschwinden nicht komplett. Egal wieviel Gutes passiert, sie klopfen immer wieder an und wollen einen zweifeln lassen, ob man dem Guten trauen darf. Vor allem mein Hirn ist super darin, hauptsächlich Erfahrungen und Erinnerungen zu sammeln und diese ganz schnell parat zu haben, welche nicht schön gewesen sind oder schmerzhaft. Darin bin ich Weltmeisterin! Aber es braucht die Balance zwischen dem Guten & dem Schlechten, welches man erfahren hat und als wäre es ein Wink des Schicksals, fand ich meine Geheimwaffe bei meiner neuen Arbeit! Den Mindset Planner!

Meine Chefin hat sich so viele Gedanken gemacht, wie man eine Hilfe erschaffen kann, für alle, die gerne die positiven Dinge in ihrem Leben festhalten wollen. Damit man sie nicht vergisst und es zur Gewohnheit werden lässt, auf Positives zu achten und dieses als Erinnerung und Erfahrung fest zu verankern. Als Ritual im Alltag.
90 Tage dauert es, bis sich etwas als Gewohnheit in uns etabliert hat. 90 Tage konsequent etwas zu wiederholen, bedeutet, dass unser Gehirn lernt und den Vorgang langsam aber sicher verinnerlicht. Um sich aber nicht zu überfordern, sondern ganz bewusst und im eigenen Tempo an das Thema heran zu tasten, kommt dieser wunderschöne Mindset Planner mit einem ausführlichen Vorwort, mit Erklärungen, Anregungen und Beispielen. Die großen Hauptkomponenten umfassen die Themen Dankbarkeit, Achtsamkeit, dein Umfeld, Selbstfürsorge und positive Glaubenssätze.
Wichtig ist es, dran zu bleiben! In 90 Tagen zum positiven Mindset ist schaffbar, aber nur, wenn man es durchzieht und sich auch ab und zu mit sich selbst konfrontiert.
An meinem 13. Tag, bat mich mein Mindset Planner aufzuschreiben, was ich selbst an mir toll finde. Ich war überfordert und bin sicher zwei, drei Mal zurück zum Tisch gekommen, bevor ich darauf eine Antwort hatte, die weder banal noch halbherzig gemeint war. Es ist eine so einfach Aufgabe: Ich bin toll, weil ……. und mein Kopf war leer.

Schlussendlich habe ich eine Antwort tief in mir gefunden, die ich notieren konnte und die mir entspricht. Aber der Weg dazu war ein Neuer und kein Leichter. Denn mein Hirn kennt solche Gedankengänge nicht. Wieso ich nicht so toll bin, aus meiner eigenen Sicht, diese Antwort wäre sehr viel schneller parat gewesen.
Ich bin sehr dankbar für meine neue Geheimwaffe, die bereits nach knapp zwei Wochen, schon ein fester Bestandteil meines Alltags ist. Die Seiten sind gegliedert und geben dir die Möglichkeit sowohl in der Früh oder auch am Abend auszufüllen und zu reflektieren. Süße Smileys fangen deine Stimmung des Tages ein und ich stelle fest, ich bin viel öfters positiv gelaunt als negativ. Eine Tatsache, die mein Hirn ohne meine Notizen so nie selbst wahrgenommen hätte.
Im Vorwort findet man, als Anregung zu verschiedenen Themen, viele positive Glaubenssätze und gleich der Erste hat es mir angetan und ist schon jetzt ein stetiger gedankliche Begleiter für mich: Ich habe es verdient, erfolgreich zu sein!
Und das hast du auch!

Welche kleine Geheimwaffe nennst du denn dein Eigen? Hast du kleine Tricks oder Tipps, die dir helfen ein positives Mindset zu schaffen und zu erhalten? Lass es mich wissen, ich bin gespannt und freu mich auf deine Nachrichten!

Bis ganz bald!
Bussis!
Deine Maggy*

Gedicht Nr. 1 „Zauberhaft“

Gedicht Nr. 1 „Zauberhaft“

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Woche 18

Zauberhaft

Hallo Leben, ich lass Dich zögernd herein,
ich weiss, wirst nicht nur bringen, den Sonnenschein.
Die Zeit, sie verrinnt, wie Sand in den Händen,
Funken der Vergangenheit, Zeugen an den Wänden.

Einreißen, unmöglich, das werde ich nicht wagen,
doch wohin mit dem Neuen der letzten Tage?
Mein Kopf ist gefüllt mit herrlichen Bildern,
endlich sind sie weg, die Sicherheitsschilder.

Die Vorsicht, sie wich, Hoffnung kehrte ein,
oh Moment, ist da doch ein Sonnenschein?
Vieles fällt zusammen, wie es hätte sein sollen,
nichts geht auf Druck, lang konnte ich nicht wollen.

Wollen geht einfach, ich hatte es geglaubt,
hatte mir Nachsicht einfach nicht erlaubt.
Ich wollte funktionieren, streben nach mehr,
es war ein Ritt gegen ein mächtiges Heer.

Ich bin ich, mich gibt es einmal bloß,
ergriff gedanklich mein Rettungsfloß.
Das Heer ließ ich zurück, es verschwindet im Nebel,
ich alleine bediene den Steuerungshebel.

Sicherheitsschilder, sie schwimmen vorbei,
mein Floß treibt voran, durch das Allerlei.
Die Hoffnung sie flutet mich und das Deck,
kein Sinken, kein Kentern, nichtmal ein Leck.

Der Glaube an mich, kommt langsam von innen,
ein Dank an meine zauberhaften Freundinnen.
Ich lerne dazu, will den Wert erkennen,
stehen bleiben und sehen statt weg zu rennen.

Und wenn ich dann lande, an einem neuen Strand,
dann wird sie stehen, die neue Wand.
Gesellt sich zu den Alten, wird herrlich geschmückt,
auch sie wird mit Erinnerungen reichlich bestückt.

Ich bin ich, mich gibt es einmal bloß,
endlich in Fahrt, alle Leinen los.
Die Brise sie spielt, weht mir ins Gesicht,
lässt mich schreiben, dieses Gedicht.

Auf das ich mich erinnere, an solch Motivation,
an all das Schöne und den zukünftigen O-Ton.
Der klingt und schwingt durch meine Gedanken,
bringt Ruhe und Klarheit, statt stetigem Wanken.

Die neue Wand, sie wird glitzern und funkeln,
erhellen jede Ecke, die davor lag im Dunkeln.
Ich darf mich jetzt sehen, so wie ich bin,
alles ergibt nun langsam einen bezaubernden Sinn.


Zwischenstand & der Wutstuhl

Zwischenstand & der Wutstuhl

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Woche 15

Die pinke Kerze brennt, die Tulpen in der Vase vor mir kündigen schon beinahe den Frühling an und meine heiße Tasse Kaffee dampft vor sich hin. Mal wieder bin ich seit Stunden wach, aber dennoch lässt der Sonnenaufgang noch auf sich warten. Warten ist ein gutes Stichwort. Geduld zählte eigentlich nicht zu meinen Stärken. Aber man lernt nie aus und so ist gerade die Geduld etwas, das mich die letzte Zeit sehr auf den Prüfstand stellt und mich zum Lernen und Wachsen zwingt. Diese Woche warte ich zum Beispiel darauf, wieder gesund geschrieben zu werden. Mein Krankenstand wird enden. Mein Burnout wird das nicht.

Es geht mir besser. Viel besser. Ich merke, dass meine Nerven langsam wieder etwas stärker werden und vor allem auch die Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen deutlich nachlässt. Alltägliche Dinge bringen mich nicht mehr so schnell aus der Ruhe und auch mein Multitasking klopft ab und zu wieder an und lässt mich somit zielführender agieren. Das fühlt sich gut an und gibt mir Hoffnung, dass ich wieder ganz die Alte werde.

Ah ja, ganz die Alte, nein, das werde ich nicht mehr sein.

Die letzten 15 Wochen waren hart. Ich habe so viel gelernt, über mich, mein Umfeld und die Themen Scheidung und Burnout. Ich muss Listen führen, damit ich allen Gedanken nach gehen kann und nicht vergesse, wo genau ich noch einmal in mich horchen wollte. Die alte Maggy hat kapituliert und die neue Maggy hat ihre Intuition wieder gefunden. Ich bin wahrlich keine Hellseherin, aber mein Gefühl ist ein Gutes und belohnt mich, wenn ich den Mut habe, ihm nach zu gehen.

So trug es sich zu, dass ich dank meines Blogs, ganz tolle und aussergewöhnliche Nachrichten erhalten habe. Von Menschen aus meiner Vergangenheit zum Beispiel. Jede Nachricht hat mich berührt und hat mich sehen lassen, wie wenig wir alle noch sind, wie wir einst waren. Ich selbst war gezwungen, eingeprägte und vorgefasste Meinungen zu revidieren und auch meinen Hochmut fallen zu lassen, bevor er mich zu Fall bringt.

Ich durfte eine Freundin treffen, mit der der Kontakt vor Jahren abbrach. Nicht im Streit, aber wir waren an sehr unterschiedlichen Punkten in unseren Leben und hatten vermutlich keine gute Kommunikationsebene. Sie ist Mama von drei Kindern und berufstätig und das verlangt mir heute wirklich allen Respekt ab. Das hat es damals nicht und ich habe ihr bei unserem Treffen vor zwei Wochen gesagt, dass ich doof war und es nicht besser wusste, was einem das abverlangen kann. Ich war arrogant genug zu denken, dass Job, Familie, Kinder, eine glückliche Ehe, dass das alles zu meinen Füßen liegt, was soll da schon schief gehen. Siehe da, es kann so einiges schief gehen, selbst wenn man alles versucht hat, um auf Kurs zu bleiben. Unser Gespräch war so schön und gab mir so viel Input und es drängte sich mir die Frage auf, wieso tun wir Frauen das nicht öfter? Uns Austauschen, sich zusammen schließen, um einander eine Stütze zu sein.

Was hält uns davon ab, mehr Frauen um uns herum die Hand zu reichen, da zu sein und zuzuhören? Ist es der Anspruch, jede Freundin muss eine beste Freundin sein? Entweder Buddies for life oder gar nichts? Das Label beste Freundin, damit tat ich mir schon immer schwer und irgendwann konnte ich es akzeptieren, dass ich vielleicht gar keine habe. Ich habe nicht die eine Freundin, nein, ich darf mich glücklich schätzen, dass ich mehrere Freundinnen habe und jede hat ihren eigenen Kopf, ihre eigenen Ansichten und jedes Gespräch und jede gemeinsam verbrachte Zeit lässt mich reicher zurück, als ich es davor gewesen bin.

Die Diagnose Burnout trifft nicht uns alle, aber jeder hat sofort ein Bild im Kopf, was es mit einem macht, wenn ein gewisser Erschöpfungszustand erreicht ist. Wenn Kopf und Körper rebellieren und selbst eine Auszeit kaum noch Regeneration bietet. Meine Therapeutin riet mir, Dinge zu tun, die mich aufladen und mich bereichern. Doch ich wusste erst nicht so recht, was es ist, das mich regeneriert. Die Klischees waren schnell abgearbeitet: Lesen, Spazieren gehen, Entspannungsübungen. Das sind alles sehr angenehme Dinge, doch meine Kraftquelle ist der Austausch mit anderen. Vor allem die letzte Woche war sehr aufreibend, der erste Termin für einen Scheidungsvergleich stand an und ich bin all meinen Freundinnen unendlich dankbar, dass sie ein offenes Ohr für mich hatten, bei Tag wie bei Nacht. Wir haben gemeinsam gelacht, geflucht und geweint und die alte Maggy hat es sich in meinem Hinterkopf bequem gemacht und die neue Maggy angefeuert den Kopf nicht hängen zu lassen.

Ich habe oft and besagte Freundin gedacht die letzten Tage. Drei Kinder, ein Haushalt, eine Ehe, ein Job. Wo bleibt sie da? Wie schafft sie es? Wo holt sie sich ihre Regenerationszeit und was macht sie in dieser? Vielleicht frage ich sie das nächste Mal. Ich habe so viele Tipps bekommen und Anregungen, wie ich mir in meiner aktuellen Situation am Besten helfen kann. Wie ich meine Wut kontrollieren kann, wie ich versuchen kann abzuschalten oder auch besser einzuschlafen.

Wut war diese Woche ein grosses Thema. Scheidungen werfen natürlich immer das Thema Recht auf. Recht im buchstäblichen Sinne, denn es gibt ja Gesetze die das regeln, aber auch Wut bezüglich des Rechts, wie ich es empfinde. Für das Gesetzliche gibt es Anwälte, für das Emotionale, nun ja, da gibt es mich selbst. Und auch hier habe ich angefangen etwas in meinen Alltag einzubauen, das mir eine gute Freundin, nennen wir sie Ida, empfohlen hat. Ida ist selbst Psychologin und hat so einige grossartige Tricks auf Lager, die mir helfen, mein Hirn wieder zu sortieren. Und so gibt es bei mir daheim nun einen „Wutstuhl“. Dieser Wutstuhl ist einer meiner Stühle, den ich bewusst an eine Stelle schiebe, an der er sonst eigentlich nicht steht. Ich sitze dann an einem Ort, an dem ich eigentlich nie sitzend Zeit verbringe. Und dann gehts los. Ich schreie nicht, ich werde auch nicht laut, aber ich spreche alles aus, bis meine Wut und die damit verbundene, aufgestaute Emotion nachlässt. Erstmalig gingen mir diese Woche die Flüche und Schimpfwörter aus, ja, auch sowas kann passieren. Mir ist aber wichtig zu sagen, es ist kein Stuhl der Selbstgeißelung. Ich beschimpfe nicht mich, ich schimpfe in mein Wohnzimmer hinein und lasse Dampf ab, damit ich den Rest der Zeit fokussiert und aufnahmefähig sein kann. Und das tut so gut! Ida sagte mir auch, dass wenn dieser Drang irgendwann nachlassen sollte und der Wutstuhl eher zu einer Erinnerung wird und nicht mehr zum Einsatz kommt, dann darf ich diesen Stuhl auch einfach entsorgen. Und zwar mit all den Erinnerungen die er inne hat. Mit all den Momenten des Ärgers, der Wut, der Traurigkeit und der Verzweiflung. Noch bin ich nicht so weit, diesen Stuhl her zu geben, doch ich bin mir sicher, irgendwann darf er gehen.

Hinter jeder Nachricht, die ich bekommen habe, steckte eine Frau, die selbst Erfahrungen gemacht hat, die sie gefordert haben. Über all dem steht für mich die Erkenntnis, wir sind niemals alleine. Ich bin nie alleine, mit was auch immer ich gerade empfinde oder wo ich gerade durch muss. Das beruhigt mich. Es nimmt nicht den Schmerz aus einer Situation oder die Wut aus einem Moment, aber es hilft mir zu wissen, es geht weiter.

Die neue Maggy ist gezwungen sich zu verändern und ich nehme diesen Prozess an. Ich lasse den Schmerz durch mich hindurch fließen und arbeite daran, meinen Wert zu erkennen und für ihn einzustehen. Mehr dazu könnt ihr zum Beispiel in meinem Blogbeitrag Ich bin Gold wert! nachlesen. Ich weiss bereits, dass ich mein Selbstwertgefühl aus mir selbst heraus gewinnen muss, doch es fühlt sich richtig gut an, wieder mehr Menschen in meinem Leben willkommen heißen zu dürfen. Der Input der dadurch entsteht, ist ebenfalls Gold wert und ich möchte keinen dieser wunderschönen Momente der letzten Wochen missen.

So werde ich also in zwei Tagen zum Arzt spazieren, mich gesund schreiben lassen und dann sehen wir was passieren wird. Eine spannende, aber auch ungewisse Zeit liegt vor mir und ich werde euch daran teilhaben lassen. Ich danke euch.

Alles Liebe und bis ganz bald!

Eure Maggy*

Was würdest Du tun wenn…

Was würdest Du tun wenn…

Woche 14

An einem schönen Sonntagnachmittag im Oktober 2018 spaziere ich zu einem meiner Lieblingsplätze in London. Der Weg führt mich durch das beschauliche Hampstead direkt zu meinem Londonder Lieblingscafé, dem Ginger & White. Es duftet bereits vor der Tür nach frisch gebrühtem Kaffee und der Wind weht mir herbstlich um die Nase. Dennoch scheint die Sonne, sehr ungewöhnlich in London, daher packe ich meine Sonnenbrille aus und lausche weiterhin meiner Jazz-Playlist die meine Kopfhörer von sich geben.

Alle Bäume haben sich bereits bunt verfärbt. Braun, grün, rötlich, alles ist dabei, die ersten Blätter sind bereits gefallen und säumen die Strassen. Trotz der Sonne sind wenige Menschen unterwegs, doch die Cafés und Restaurants sind voll und alle geniessen den Sonntag und entspannen. Meine Entspannung in London besteht aus Gehen. Viel Gehen. 25.000 Schitte an einem Tag sind keine Seltenheit, die ich abends deutlich spüre, wenn ich in mein kuscheliges Hotelbett falle.

Mein Kaffee schmeckt wie immer hervorragend, stark mit viel Milchschaum! Und aua, natürlich wieder unterschätzt wie heiß er ist, somit erstmal ein wenig die Zunge verbrannt. Man könnte meinen irgendwann lerne ich es endlich, wie man aus diesen To-Go-Bechern trinkt bzw. wann! Doch dem Geschmack tut das keinen Abbruch und so marschiere ich los zu meinem eigentlichen Ziel. Dem Primrose Hill. Ein Park mit einem Hügel und einem traumhaften Blick über London. Das Wetter könnte für so einen Aussichtspunkt nicht besser sein und obwohl ich die Kuppe noch vor mir habe, freue ich mich schon auf mein Platzerl in der Sonne und einer entspannten Kaffeepause mit Weitsicht.

Ich biege in den Park ein, spaziere durchs Tor und sehe Hunde im Park miteinander spielen. Erinnert mich sofort an meine Paula, die hat auch so getobt als sie noch ein kleiner Wauzi gewesen ist. Sehr süß denke ich mir und gehe weiter. Doch dann kreuzt einer der Hunde meinen Weg und saust vor mir vorbei. Nun gut, passiert, aber Moment mal! Wieso kenne ich diesen Hund???

Mein Hirn rekapituliert: Du bist in London, in einer Millionenstadt, kennst hier niemanden, aber der Hund vor dir, den kennst du?

Bäm.

Ich bleibe kurz stehen und der Groschen fällt……. Ich schaue vor mir den Weg entlang Richtung Anhöhe, die Sonne blendet mich, aber ich sehe jemanden auf mich zu kommen. Jemanden, der den Hund ruft, der gerade an mir vorbei geflitzt ist. Ein Mann. Offensichtlich. Und mein Hirn schlägt Kapriolen. Dank der blendenden Sonne kann ich nur eine Silhouette erkennen, dennoch erkenne ich den Gang dieses Mannes! WAS? NO WAY!

Zeitsprung. 2016.

2016 hab ich begonnen Interviews mit Schauspielern die mich interessieren auf youtube zu schauen. Lange, detaillierte Interviews. Ich bin seit jeher fasziniert von der Filmbranche, den Making Offs und den Menschen hinter den Charakteren, die sie spielen. Im Zuge dessen, youtube ist ja schlau, wurden mir immer wieder Clips eines britischen Schauspielers vorgeschlagen und noch bevor ich je (bewusst) einen Film mit ihm gesehen habe, war es um mich geschehen. In einer Zeit in der wir sehr beschäftigt waren damit, dass unser Geschäft gut läuft, waren diese Interviews oft der einzige Input der mein Hirn wirklich beflügelt hat und zudem eine super Gelegenheit mein Englisch zu verbessern. Dank all dieser Clips verstehe ich Englisch nun fast fehlerfrei und dafür bin ich super dankbar. Das Zuhören brachte es aber auch mit sich, dass ich der Stimme dieses Schauspielers gleichermaßen verfallen bin. Ich liebe British English und könnte bzw. habe ihm stundenlang gelauscht.

Nun gut, irgendwann wurde es Zeit, mal zu recherchieren was der junge Herr so alles treibt beruflich und wo man ihn findet. In Hollywood, im britischen TV aber auch auf der Bühne. Wie die meisten britischen Schauspieler, genoss er eine fundierte Ausbildung, traditionell mit allem was das Theaterherz begehrt, so auch vieles von Shakespeare. Und da begann sie, meine Leidenschaft für britisches Theater. Diese Leidenschaft hat mich nie wieder losgelassen und auch jetzt liegt ein Ticket in meiner Schublade bereit, sofern es mir die Coronamaßnahmen erlauben zu reisen.

Es ergab sich, dass mir dann natürlich auch aktuelle News dieses Schauspielers erschienen, die Social Media Kanäle sind zwar nicht seines, aber er steht im Auge der Öffentlichkeit und hat eine sehr loyale und quirlige Fangemeinde. Oioioi… ich seh schon, ich gehöre dazu! Durch diese Kanäle erfuhr ich, dass auch er bald wieder auf der Bühne stand. Als niemand geringeres als Shakespeares Hamlet! Ich war begeistert, aber zwei Minuten später auch genau so enttäuscht, denn es gab keine Möglichkeit Tickets zu kaufen. Noooooo! Denn die Teilnehmerzahl war stark begrenzt ob der Grösse des Theaters. Um allen gerecht zu werden, die gerne ein Ticket hätten, gab es eine Auslosung. Man konnte sich registrieren, um dann eventuell zu gewinnen, um dann schlussendlich ein Ticket kaufen zu können. Ja, so verrückt war ich, mich da anzumelden. Und in meiner Begeisterung brachte ich auch meine Mama und ein paar Freunde dazu, sich für mich dort anzumelden. Erhöhte ja die Chancen!

Um von Chancen zu sprechen, es gab so viele Teilnehmer! Es war ja wie eine Hysterie online. Von überall aus der Welt wurde gebloggt, getweeted, gepostet und gechattet. Man kann definitiv sagen, die Fangemeinde war außer Rand und Band. Und dann kam der Tag der Auslosung. Ich musste arbeiten und hatte somit zum Glück keine Zeit, um vor meinem Handy zu sitzen, um auf die Email zu warten. Doch sie kam. Die Email poppte auf meinem Display auf und didididum…. eine Absage. Auch hier war die Arbeit hilfreich, denn mein Köpfchen verbuchte es als, wäre ja zu schön gewesen, um wahr zu sein. Aber dann passierte das Unfassbare! Sowohl meine Mama, als auch ein Freund, hatten Zusagen bekommen! Die Chance auf zwei Tickets lag direkt in meinen Händen! Ich war baff und für einen Moment in Schockstarre. Und dann ging das Planen los. Natürlich habe ich ein Ticket gekauft, nochmal mein Hamlet Skript aus Studienzeiten heraus gekramt, Interpretationen und Zusammenfassungen gelesen und Flüge gebucht.

Doch was tun mit dem zweiten Ticket? Schnell fand ich auf Twitter viele, die natürlich nicht so viel Glück hatten wie ich und sehr traurig darüber waren. Eine junge Dame aus Deutschland fiel mir besonders auf, ihre Texte stachen mir ins Auge und da habe ich sie einfach angeschrieben und gefragt, ob sie mein zweites Ticket haben wollen würde. Zuerst dachte sie, ich sei ein Fake, jemand der damit Geld machen wollte. Als sie realisierte, dass ich es ernst meinte und auch kein Geld dafür wollte, war die Freude dann aber unermesslich groß! Wir haben uns beide so gefreut und aus dieser Geschichte, hat sich eine Bekanntschaft entwickelt, so dass wir bis heute noch Kontakt haben.

Da saß ich also, im Theaterraum der Royal Acadamy of Dramatic Arts in London. Der Schule, in der sowohl der Hauptdarsteller, als auch der Regisseur einmal ihr berufliches Handwerk erlernt hatten. Standesgemäß trug ich ein Dirndl welches mir am Abend, in dem Pub in dem mein Zimmer war, sogar einen Heiratsantrag eines älteren Herrn einbrachte. So ein schönes Kleid hätte er noch nie gesehen. Ein richtiger Gentleman war er, aber ich habe dennoch dankend abgelehnt.

Das Theaterstück war ein Traum. So intim, da wir direkt an der Bühne saßen. Die eigentlich nicht mal eine Bühne war. Es ähnelte eher einem grossen Stuhlkreis und so konnte man jede kleine Geste, jede Mimik und jede Träne ganz genau sehen. Hamlet mag ein „altes“ Stück sein, doch es ist für mich aktueller denn je. Die Frage nach der eigenen Herkunft und die Frage nach dem eigenen, inneren, moralischen Kompass, das traf mich mitten ins Herz und auch bei mir kullerte am Ende die eine oder andere Träne und der Applaus war tosend.

Ich hatte ihn also live gesehen. Ich saß keine zwei Meter weg vom Ort des Geschehens und war in seinem Bann. Und man mag es kaum glauben, ich durfte so viel Glück erfahren, dass ich ihn ein paar Jahre später erneut auf der Bühne in London sehen konnte. Dieses Mal aber klassisch auf einem Sitzplatz in der Menge, das Theaterstück erhöht auf der Bühne vor uns. Beim ersten Mal gab es keine Möglichkeit auf ein Autogramm und beim zweiten Mal hatte ich keine Zeit, da ich meinen Flieger zurück nach Wien bekommen musste. Zudem ist dieses Gerangel um ein Selfie oder ein Autogramm so gar nicht meines. Ich hatte ihn gesehen, ich habe die Aufführungen genossen und bin heute noch sehr glücklich darüber, dass dies mein Einstand in eine mir völlig neue Welt war.

Seither reise ich immer wieder nach London und sei es nur für eine Nacht. Es ist immer verbunden mit einem Theaterbesuch und einem Kaffee bei Ginger & White. Und so sah ich 2018 ein ganz anderes Stück und wollte die Zeit drum herum in London zu Fuß geniessen.

Zeitsprung. 2018.

Da bin ich also, im Primrose Hill Park. Ich muss meine Sonnenbrille abnehmen und meine Hand, die den Kaffee hält, wird etwas zittrig. Die andere Hand verstaut die Sonnenbrille auf meinem Kopf und kramt nach meinem Handy in meiner Jackentasche. Doch was dann? Eiligen Schrittes kommt er auf mich zu. Ganz offensichtlich in Freizeitbekleidung, legere Cappy auf dem Kopf, die Hundeleine in der Hand und ebenfalls Kopfhörer im Ohr. Meine Gedanken rasen. Er ist es! Es ist TOM HIDDLESTON!

Oh man! Oh man! Oh man! Und jetzt? Selfie? Autogramm? Gespräch aufdrücken? Nein. Er ist in seiner Freizeit, mit seinem Hund und womöglich am Telefon mit jemandem. Es ist mir in der Sekunde klar, das ist nicht der Ort und nicht die Zeit für solche Dinge. Es ist sein privates Leben und sein Sonntagsspaziergang mit seinem Hund. Den ich natürlich von Fotos aus dem Internet kenne. Also gehe ich etwas langsamer als sonst und als er an mir vorbei geht kreuzen sich unsere Blicke. Ich lächele ihn an, er lächelt zurück. Ich schmelze dahin.

Wer hätte das gedacht? Ich niemals! Ich bin so perplex und von den Socken und auch wenn dieses ganze Erlebnis maximal ein paar Minuten gedauert hat, ist es eine meiner schönsten Erinnerungen. Alleine das Gefühl, dass zumindest für mich gerade in diesem Moment etwas so unwahrscheinliches, aber dennoch magisches passiert ist, ist nur ganz schwer in Worte zufassen. Die Chancen, dass mir so etwas passiert, die waren ja kaum vorhanden. Dieser Moment und diese Erinnerung sind mir mehr wert und wertvoller als jedes Autogramm, das ich mir an meine Pinnwand hätte heften können. Bei diesen Autogramm- & Selfiemarathons schaut man sich ja oft nicht mal in die Augen. Der Schauspieler schaut auf das zu signierende Objekt oder beide schauen in die Kamera eines Handys. Da ist mir dieses Lächeln so unbeschreiblich viel mehr wert. In der Eile habe ich es dennoch geschafft ein Foto zu schiessen, als wir schon aneinander vorbei gegangen waren. Nicht scharf, nicht eindeutig, aber bis heute fängt es für mich die Emotion, die Stimmung und die Freude dieses Momentes ein. Ich werde wohl auch nie müde werden, diese Geschichte zu erzählen, denn sie zeigt, Unmögliches ist möglich!

Selten passiert etwas genau so, wie wir uns das wünschen, aber das heißt nicht, dass es nicht noch viel besser wird, als wir uns das ausgemalt haben. Heute bin ich etwas „geheilt“ von meinem Fan-Dasein und beobachte aus der „Ferne“, habe natürlich die aktuelle Marvel Loki-Serie inhaliert und freue mich auf weiter filmische Projekte von Tom Hiddleston. Ihm verdanke ich mein Interesse an britischem Theater, meine wieder entdeckte Liebe zu britischer Geschichte und vielen wunderschönen Erinnerungen, die ich in London sammeln durfte. Für mich Themen und eine Welt, die ich nicht mehr missen möchte und die mir wahnsinnig viel Input bietet, abseits von Alltag und Routinen.

Doch was hättest du getan? Was würdest du tun, wenn du auf einmal völlig unerwartet vor deinem Celebrity-Crush stehst? Die einmalige Gelegenheit nutzen oder den Moment genießen und schweigen? Ich bin gespannt auf deine Antwort!

Alles Liebe & bis bald!

Deine Maggy*

„Courage is found in unlikely places“

„Courage is found in unlikely places“

cold glacier iceland snow

Woche 13

„Courage is found in unlikely places“ – Lady Galadriel, The Lord of the Rings by J.R.R. Tolkien

…aber zuerst wünsche ich Euch einmal von ganzem Herzen ein frohes neues Jahr!

Die Zeit verflog. Ich durfte über die Feiertage viel lachen, quatschen und Silvester haben Maxi, Paula und ich dann einfach verschlafen. Auch gut. So sind wir fit aufgewacht und haben traditionell dem Neujahrskonzert aus dem Wiener Musikverein gelauscht. Traditionen sind schon etwas Feines!

Ebenfalls eine meiner Traditionen ist es, um Weihnachten herum einer meiner Leidenschaften zu frönen: Der Herr der Ringe & Der Hobbit! Entweder lesen, die Filme schauen oder noch besser, gleich beides! Aber nur die Extended Editions, logo! Als ich den ersten Teil von Der Herr der Ringe gesehen habe, war das damals eine VHS die ich zu Hause bei meinen Eltern in den Videorekorder gesteckt habe, da eine Freundin von mir die VHS nicht wollte – wer schaut denn schon Fantasy! Klare Antwort: Ich! Ich hatte aber noch nie etwas von Tolkien und seinen Werken gehört und als der erste Teil endete, musste ich natürlich unbedingt wissen, wie es weiter geht. Und eine Leidenschaft nahm ihren Anfang.

Diese Bücher und Filme, ja eigentlich die ganze Welt, die Tolkien geschaffen hat, fasziniert mich seit jeher und die Entstehung der Geschichten um Mittelerde ziehen mich noch heute ebenso in Ihren Bann, wie das Making-Of der Peter Jackson Filme. Sie waren immer wie eine Art Seelentröster, eine Welt in der ich mich verlieren konnte und in der es hinter jeder Ecke noch ein Detail mehr gab, das man entdecken wollte. So begleitet mich Mittelerde also schon seit knapp 20 Jahren und ist ein Fixpunkt in meiner Freizeit geworden. Mal mehr mal weniger intensiv, aber den Ruf als Fan habe ich weg. Zurecht.

Doch mir konnte damals nicht bewusst gewesen sein, wie beispielhaft mir Frodos Reise durch Mittelerde einmal vorkommen würde. So sehr, dass ich einen meiner Körperteile nach ihm benenne. Ja, klingt komisch, ist aber so. ( Ich gebe ja fast allem einen Namen. Mein Auto heisst z.B. Hugo! )

Auf Anfang.

2016 saß ich also wieder einmal etwas resigniert bei meinem Hausarzt. Diagnose: Übergewicht, zu hoher Cholesterinspiegel, depressive Phasen, Asthma, Gefahr Diabetes zu bekommen. Klartext: Ich war adipös, sprich krankhaft fettleibig. Und nun? Als gewissenhafter Mensch habe ich immer die Finger von Crash-Diäten gelassen und wenn, dann nur mit Rücksprache meines Hausarztes diverse Abnahmeversuche gestartet. Weight Watchers, Metabolic Balance, Sport usw. … natürlich erzielen diese Systeme gewisse Erfolge. Aber nichts davon konnte dauerhaft mein Gewicht halten. Wo war also der Fehler in meinem System? Lange DVD Nächte mit überdimensionalen Herr der Ringe Sessions und Tonnen von Naschkram plus Cola waren es jedenfalls nicht. Was war es also?

Ich war es. Ich war der Fehler und bin es noch. Genau genommen ist es eine Art die ich an mir habe. Ich bin eine emotionale Esserin. Essen hat für mich viele Zwecke erfüllt, wenn ich mich nicht mit mir selbst konfrontieren konnte oder wollte. Wenn mir die Werkzeuge fehlten, angemessen auf eine Situation zu reagieren oder hinzuschauen. Dann habe ich gegessen um mich abzulenken, zu trösten und um eine Leere in mir zu füllen. Buchstäblich. Allerdings gibt es noch einen weiteren Aspekt der mir durch ein frühere Therapie klar wurde. Da ich verbal nicht in der Lage war Grenzen zu setzen, geschweige den für diese einzustehen, habe ich mit meinem Essverhalten und dem Gewicht eine Art Panzer um mich herum gebaut, der mich geschützt hat. Klingt super skurril und wäre mir nie in den Sinn gekommen, bis ich dann abgenommen und mich ohne das Fett um mich herum beinahe nackt und schutzlos gefühlt habe. Zudem wirkte das ganze zusätzliche Fett an mir wie eine Stütze, nach der Abnahme musste ich mich wirklich neu konfigurieren was z.B. Sitzen, Gehen und Stehen angeht. Ich musste mich anpassen und konnte nicht einfach nur auf einem Stuhl herum lümmeln, denn dann wäre ich nun einfach zusammen gesackt. Ich war also erst einmal damit beschäftigt meinen Körper zu sortieren und natürlich auch ihn neu einzukleiden. Das machte Spass! Doch die Warnung, die ich vor meiner Magenbypass-OP gehört habe, hallte noch in meinem Hinterkopf nach und hat sich bewahrheitet. Der Körper ändert sich schnell. Der Kopf tut das nicht.

Mein Magenbypass war und ist nicht die Lösung dafür, dass ich immer noch eine emotionale Esserin bin. So sehr ich an mir arbeite, so viele Therapien ich auch mache, ich muss das annehmen und mit einem Bewusstsein dafür lernen zu leben. Ein Magenbypass kann mit der Zeit ausgetrickst werden, er kann sich wieder dehnen oder man schwenkt um und sucht sich andere Mittel die das Essen ersetzen. Leider verfallen viele Patienten dann andern Süchten wie dem Alkohol oder futtern sich langsam aber sicher Ihr ganzes Übergewicht wieder drauf. Denn der Kopf und die Emotionen ändern sich durch eine Gewichtsabnahme in diesem rasanten Tempo genau gar nicht. Der Körper verbrennt Energie aus dem Fett, da er durch die Nahrung nicht mehr genug davon bekommt, aber was in einem psychisch abgeht, daran muss man selbst arbeiten und dieser Weg dauert sehr lange.

Und da landen wir wieder in meinem ganz eignen Mittelerde. Denn mein Hausarzt fragte mich dann, ob ich schon einmal etwas von einer Magenbypass Operation gehört hätte. Ich kannte zwar Berichte über Magenband Operationen bei denen der Magen für eine gewisse Zeit quasi abgeschnürt wird, aber von einer dauerhaften Veränderung des Magens hatte ich zuvor noch nie gehört. Doch genau in diesem Moment war klar, das ist es. Das ist meine Hilfe für ein gesünderes und besseres Leben. Den beschwerlichen, leidvollen Weg durch Mittelerde hatte ich wie Frodo hinter mich gebracht und nun stand ich vor den Toren von Mordor. Und mein eigener, kleiner Magenbypass-Frodo ist nun die Hilfe, auch noch den Schicksalsberg hinauf zu steigen um all meinen physischen Ballast in die Flammen zu werfen.

Deswegen trägt mein Magen nun diesen Namen. Das ist der körperliche Aspekt, denn auch bei mir schmolzen die Pfunde. Doch am Ende der Triologie verlässt Frodo freiwillig seine Heimat, das Auenland, denn er stellt fest, er passt dort nicht mehr hin. Er hat zu viel erlebt, er hat zu viel gelitten und er hat sich zu sehr verändert um das Leben wie davor weiter zu leben. Und genau so geht es mir bis heute. Ich bin nicht mehr die Selbe wie vor meiner Abnahme. Und ganz ehrlich, ich trauere dieser Person nicht nach. Ich empfinde viel Empathie für mein altes Ich, habe Verständnis und versuche sie anzunehmen wie sie nun einmal war. Dass sie aus den Mitteln die sie hatte versucht hat, bestmöglich nach sich zu schauen. Doch mit den knapp 30kg die ich verloren habe, verlor ich auch so manche Komplexe, falsche Ideale und zum Glück auch Verhaltensmuster, um mit stressigen und emotional schwierigen Situationen umzugehen.

Doch dieses Verlieren hinterließ ein Vakuum. Was nun? Wie gehe ich denn nun mit mir um? Mein „Auenland“ war ja noch da. Auch ich kam heim und wollte anschließen an das Leben das ich hatte. Doch es hat nicht funktioniert. Und auch die Tatsache, dass ich nun hier sitze und Anwaltstermine für eine Scheidung organisiere, ist ein Resultat dessen. Ich habe mich zu sehr verändert, mein Kopf hat sich zu sehr verändert und meine Toleranz für Dinge die mir nicht gut tun ist maßgeblich gesunken.

Mein Weg durch mein Mittelerde war seit jeher gezeichnet durch Mobbing und Ausgrenzung auf Grund meines Gewichtes und immer wieder dem Thema wenig Selbstwert zu haben. Dieser Teufelskreis führte zu dem Irrglauben, ich sei nicht viel wert, es sei denn, ich sehe gut aus. Und gutes Aussehen gilt momentan nur als erfüllt, wenn man gewissen Idealen entspricht die man aus den Medien kennt. Gesundheit ist schlichtweg überbewertet.

Doch auch wenn ich sehr unter meiner Optik gelitten habe, ist es mir sehr wichtig hier zu sagen, der Hauptgrund für meinen Weg war genau diese Motivation gesund zu sein. Dies hier ist keine Werbung für bariatrische Eingriffe und es war meine ganz persönliche Entscheidung, da ich jemand bin der sich mittlerweile gut kennt und ganz klare Grenzen braucht und sich auch an diese halten will. Ich hatte am Tag meiner Operation 99.9kg und das auf eine Größe von 1,59m. Niemand kann mir sagen, das sei gesund gewesen und ich hätte nur noch mehr zu mir stehen müssen. Ich wollte so nicht weiter machen und vor allem hätte ich so nie schwanger werden und somit die Ü-100-Marke ( über 100kg ) sprengen wollen. Ich hab es geschafft und ich habe die Kurve bekommen. Ich bin aktuell zufrieden mit meiner Optik, aber mein Kopf, der braucht noch etwas mehr Hilfe um im Spiegel etwas zu sehen das er annehmen und irgendwann auch wertschätzen oder lieben kann.

Links: Sommer 2016 / 99,9 kg. Rechts: Sommer 2017 / 66kg.

Man kann nicht immer das Selbe machen und hoffen dass es irgendwann ein anderes Ergebnis erzielt. So funktioniert es leider nicht. Auch nicht bei psychischen Problemen oder der Ernährung. Aber gerade bei mir gehen diese beiden Dinge Hand in Hand. Geht es mir nicht gut, neige ich dazu ungesund essen zu wollen. Doch gerade dann müsste man sich das gesunde Zeug schnappen um dem Körper die Stoffe zu geben die er braucht. Daran arbeite ich nun.

Ich hätte nie gedacht, dass ich in der Praxis meines Hausarztes und tief in mir drin den Mut finde, zu so einer Operation Ja zu sagen. Dass ich ein letztes Mal die Hoffnung aufbringen kann, mich dem Marathon der Voruntersuchungen und Tests zu stellen ( die mindestens 1/2 Jahr dauern ), Selbsthilfegruppen für Adipositas zu besuchen, eine Vollnarkose in Kauf zu nehmen und von heute auf morgen tief eingeprägte Verhaltensmuster weg zu radikalisieren. Aber ich habe es. Und ich bin unendlich dankbar für die Hilfe die mir zu teil wurde. Von den Menschen die mich unterstützt haben und meinem alten Ich, das langsam aber sicher zu einer Erinnerung wird die mich nicht mehr quält sonder ermutigt Dinge zu schaffen die wirken, wie das Erklimmen des Schicksalberges in Mordor.

Ihr Lieben lasst Euch nicht aufhalten, Ihr könnt mehr schaffen als ihr denkt!

Bis ganz bald,

Eure Maggy*

Was ich mir 2022 von dir wünsche

Was ich mir 2022 von dir wünsche

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Woche 11

Die Feiertage sind vorbei und diese seltsame, undefinierbare Zeit zwischen Weihnachten und Silvester hat Einzug gehalten. Leider hier in Wien mit Regen und grau in grau. Kein Schnee in Sicht, keine weiße Schneedecke die sich über die Stadt legt und sie der Trostlosigkeit entledigt. Für manche ist diese Zeit der Regeneration gewidmet. Zu viel hat man gegessen, zu viel hat man getrunken und vermutlich zu wenig hat man geschlafen. Andere müssen sich direkt nach den Festlichkeiten zurück in die Arbeitswelt stürzen und über allem schwebt Corona mit den damit verbundenen Auflagen, Beschränkungen und einem womöglich neuen Lockdown im Nacken. Doch die Zeit vergeht nicht langsamer, Silvester rückt näher und somit auch die alljährlichen gute Neujahrsvorsätze. Haben die je wirklich funktioniert? Mhhhh… bei mir zumeist nicht, doch es waren auch eigentlich immer Vorsätze die ich an mich selbst gerichtet habe. Klassiker: Im neuen Jahr werde ich (unrealistisches Ziel hier einfügen) ….

Dieses Mal möchte ich mit diesem Muster brechen. Dieses Neujahr werde ich mir nicht etwas von mir selbst wünschen, sondern von dir!

Ich habe die letzten Monate sehr hart an mir gearbeitet. Auch schon viele Jahre davor und auch zukünftig werde ich nicht aufhören in mich zu investieren. Doch je mehr ich in mich investiere, desto deutlicher sehe ich, welche Verbindungen mir gut tun und welche mich einfach zu viel Energie kosten. Wir alle kennen die Momente in denen Beziehungen auseinander gehen und Freundschaften ein Ende finden. In denen wir Menschen aus unserem Leben gehen lassen müssen, wohl wissend, dass es so das Beste ist. Doch es gibt Menschen die einfach nicht aus dem eigenen Dunstkreis verschwinden können oder wollen. Sie sind wie Monde die in weiter Ferne um einen kreisen und auch wenn wir wissen, dass sie und ihre Meinungen uns nicht mehr tangieren sollten, sie tun es.

Und genau da schnappt die Falle zu. Meine Falle jedenfalls. Dass ich dann gefangen bin in dem Glauben, alles läge nur an mir. Ich müsste nur stark genug werden und mir ein dickeres Fell zulegen. Denn dann wäre ich immun gegen Gerüchte, Anfeindungen und Verleumdungen. Doch wie lange und wie intensiv muss ich an mir arbeiten um derart resistent zu werden? Ich weiss es nicht, doch eines weiss ich jetzt, das ist keine Einbahnstrasse. Es bin nicht nur ich, die wachsen muss. Du musst es auch!

Du. Du bist ein ehemaliger Freund, eine ehemalige Bekannte oder ein temporärer Wegbegleiter in meinem Leben. Nun gehen wir keinen gemeinsamen Weg mehr und ich möchte dich hiermit bitten: Lass mich los.

Du hast kein ernsthaftes Interesse meine Beweggründe zu verstehen. Du möchtest keinen Kontakt um herauszufinden wie es mir geht oder um meine Seite der Geschichte zu hören. Du bist keine Bezugsperson die Zeit & Energie oder auch Liebe in mich investieren möchte. Aber dennoch bist du in meinem Orbit, nährst dich von meinem Leid, zerreisst dir buchstäblich das Maul über mich und verbreitest Unwahrheiten, die jeglicher Realität entbehren.

Ich bin stark. Ich bin gewachsen und ich gehe meinen Weg. Doch bitte lass mich los und lass mich gehen. Arbeite an dir und deinem eignen Selbstwert und lerne, dich nicht aus Langeweile mit den Sorgen und Ängsten anderer zu beschäftigen. Hör auf, Infos über mich zu sammeln um dich daran aufzugeilen und ganz besonders, hör auf gegen mich zu hetzen.

Ich bin kein Unschuldslamm. Ich habe auf meinem Weg Menschen verletzt und enttäuscht, dafür möchte ich mich hier in aller Deutlichkeit entschuldigen. Es tut mir leid. Ich reiche dir hiermit die Hand, denn ist es dir ein Bedürfnis Dinge wirklich verstehen zu wollen, oder mich verstehen zu wollen, dann melde dich bei mir. Hast du noch eine Rechnung offen, jetzt ist die Chance dies zu „bearbeiten“ um es los lassen zu können. Nimm meine Hand an, oder verlass mein Leben. Entfolge meinen Social Media Kanälen, lösche meine Nummer oder besser, vergiss wer ich bin und dass es mich gibt.

Ich vergebe dir.

Ich vergebe dir hier und jetzt. Nutze deine Energie, die du auf mich und den Tratsch über mich verschwendest, für sinnvollere Dinge. Dinge die dich erfüllen und weiter bringen. Ich vergebe dir heute, damit ich dich vergessen kann. Ich habe keine Kraft und auch keinen Willen mehr dich noch länger als Geist in meinem Kopf oder kreisend in meinem Orbit mit mir herum zu tragen. Es ist genug.

Wir leben in einer Zeit, in der man unverbindlich mit der ganzen Welt verbunden sein kann. Social Media trägt maßgeblich dazu bei. Wir trennen uns von Menschen und dennoch wissen wir so vieles aus deren Leben. Wieso brechen wir damit nicht? Ist Wissen Macht? Mag sein. Wissen ist für mich aber auch Ballast. Ich möchte nichts mehr von dir wissen und ich möchte auch nicht, dass du noch weisst wie ich meinen Kaffee gerne trinke, was Maxi zu Weihnachten bekommen hat oder wohin ich gereist bin. Entweder wir haben Kontakt und arbeiten gemeinsam an einer Verbindung die wir einst hatten oder die wir haben, oder das war es jetzt. Keine halben Sachen mehr. Kein Ghosting, kein Gaslighting, kein Zombieing. Einfach getrennter Wege gehen.

Ich wünsche dir von Herzen alles Liebe für deinen weiteren Weg und dass auch deine Wünsche & Hoffnungen in Erfüllung gehen. Und nun, ebenso aus der Tiefe meines Herzens: FUCK OFF!

Deine Maggy*

Verlass(t) mich nicht

Verlass(t) mich nicht

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Woche 9

Bist Du eine Mama? Oder ein Papa? Würdest Du dein Kind anderen Eltern anvertrauen, dass Sie es aufnehmen und umsorgen? Dem Kontakt versagen, wohl wissend dein Kind vermutlich niemals sehen zu können? Würdest Du in andere ein Vertrauen legen, dass sie deinem Kind das Beste im Leben bieten und für es da sind? … Vermutlich nicht.

Und dennoch begann so meine Geschichte. Ich bin heute 34 Jahre alt und wurde defacto direkt nach meiner Geburt von meinen Eltern adoptiert. Dieser Blogpost wird mich Tränen und Überwindung kosten, denn ich versuche meine „Objektivitäts-Brille“ abzulegen und somit gleichzeitig auch meine „Schuldgefühle“.

Gestern bin ich online über eine junge Frau gestolpert die ebenfalls adoptiert wurde. In eine stabile, glückliche und fürsorgende Familie. Sie hatte alles was man sich wünschen konnte, es wurde für sie stets gesorgt. Ausbildung, Gesundheit und Hobbys wurden gehegt und gepflegt. Und dennoch sprach sie mir aus der Seele als sie sagte: „Es ist für ein Kind nicht per se ein Segen adoptiert zu werden. Adoption bedeutet Trauma für ein Kind, egal wie und unter welchen Umständen es zu euch gekommen ist. Wenn ihr einem adoptierten Kind sagt, es sei gesegnet, dass es adoptiert wurde, beraubt ihr es seiner komplexen Gefühle die es diesem Thema gegenüber hat. Es muss okay sein für ein adoptiertes Kind Ängste, Selbstzweifel oder sogar Wut zu haben was die Adoption betrifft. Jedes Gefühl hat einen berechtigten Wert, nehmt diese Gefühle an!“

Na bum. Das sitzt.

Objektiv betrachtet hatte ich auch all das oben Genannte. Es ging mir gut, ich hatte alles, ich durfte alles, ich war gesund und bin geliebt. Doch eines wurmt mich seit jeher. Für beinahe alles im Leben braucht man eine Berechtigung oder ein Zeugnis dass man fähig ist oder weiss worum es geht. Einen Nachweis, dass man der Sache gewachsen ist. Beim Kinder bekommen ist das leider nicht so. Ich weiss, ich überspitze gerade, aber besonders was adoptierte Kinder angeht finde ich es grob fahrlässig, Eltern ein Kind zu übergeben ohne auch nur eine Stunde verpflichtend darüber zu sprechen, was das eigentlich bedeutet wenn man ein fremdes Kind aufnimmt. Wir Adoptierte sind nun mal keine leiblichen Kinder, wir kommen bereits mit einem Paket das ausgepackt und bearbeitet werden muss und das sowohl von den Eltern als auch dem Kind.

Im Laufe der Jahre kamen diese Gedanken in Wellen und brachten mit sich viel Unverständnis und manchmal auch Wut. Man kann kein Kind aufnehmen, es lieben und denken, damit sei die Sache erledigt. So funktioniert das nicht. Ich schreibe heute nicht nur über mich, auch wenn ich jetzt bewusst zur „Subjektivitäts-Brille“ gewechselt habe. Das Leben konfrontiert einen mit Dingen die ein Segen sind oder eine Herausforderung. Und zwei Segen waren zwei Freundinnen von denen mich heute immer noch eine auf meinem Weg begleitet. Und wie es der Zufall will, sind auch diese beiden Freundinnen adoptiert. Doch wo Gemeinsamkeiten Türen öffneten, zeigten mir unsere Unterschiede dennoch, wie gross das Spektrum einer Adoption sein kann.

Ich selbst bin Deutsche. Ich wurde in Deutschland geboren und bin dort aufgewachsen. Meine Freundinnen sind allerdings aus dem Ausland adoptiert worden. Beide haben wunderschöne dunkle Haut, schwarze Haare und jeweils sehr unterschiedliche Geschichten, wie sie als kleine Kinder den Weg nach Deutschland zu ihren Familien gefunden haben. Doch genau deswegen, im Gegensatz zu mir, sah man ihnen beiden immer an, dass sie eben genau das sind: adoptiert. Ich hingegen bin eigentlich das Abbild meiner Familie. Ich wurde sogar oft mit Verwandten verwechselt ob der Ähnlichkeiten. Und vor allem eine der beiden Freundinnen und ich fanden das ausserordentlich absurd, dass wir beide mit diesen optischen Zuständen nicht klar gekommen sind. Nennen wir diese Freundin Jasmin. Jasmin hätte sich nichts sehnlicher gewünscht als optisch ihrer Familie zu entsprechen, so dass keine Fragen aufgekommen wären nach der offensichtlichen Tatsache, dass sie kein leibliches Kind ist. Sie stand als Kind vor dem Spiegel und versuchte sich ihre wunderschöne Hautfarbe mit einem Waschlappen abzuwaschen um heller zu werden. Und ich? Mich hat es richtig gestört, wenn es zum Beispiel hieß: „Ach, das Enkelkind können Sie aber auch nicht verleugnen.“ Ich stand zwar auch vor dem Spiegel, aber ich wollte nur wissen, wieso ich aussehe wie ich aussehe und wem ich eigentlich ähnlich sehe. In meiner kindlichen Gedankenwelt konnte ich es kaum ertragen, dass meine Eltern stets Lob bekamen für unsere Ähnlichkeiten, denn zu diesen hatten sie ja biologisch nichts beigetragen. Und schon klopfen meine Schuldgefühle an, dass ich so etwas überhaupt nur denken konnte.

Was redest Du da Maggy? Sei dankbar! Deine Eltern haben alles für dich getan und tun sie noch.

Ich weiss. Doch in diesem Blogbeitrag geht es um mehr als das. Was meine Eltern für mich getan haben, welche Chancen sie mir ermöglicht haben, das ist die Basis dafür, dass ich heute überhaupt so frei über dieses Thema schreiben kann. Das hier ist keine Anklage und keine Beschwerde. Es ist meine Therapie. Es ist mein Weg Dinge zu be- und zu verarbeiten, um sie dann endlich loslassen zu können.

Gefühle sind subjektiv und ich bin mir bewusst dass meine Blickwinkel nicht die von anderen sind. Doch mein Gefühl und mein Blickwinkel war es, dass meine Adoption kein offenes Thema bei uns daheim gewesen ist. Ich passte optisch so gut ins Bild, wieso darüber sprechen. Ich verstehe heute, wieso man solche Dinge vermutlich lieber nur im kleinen Kreis besprechen wollen würde. Stichwort Verlustängste. Aber ich war schon immer anders. Ich war stolz darauf adoptiert zu sein, ich habe das freimütig erzählt, denn ich wusste darum seit ich denken kann. Und dafür bin ich meinen Eltern unendlich dankbar, dass sie mir das bereits so früh gesagt haben. Und ich weiss auch noch wie. Dass ich nämlich Mama & Papas Kind bin, aber im Bauch einer anderen Frau war. Punkt. Mehr Infos hatte es im Kleinkindalter auch nicht gebraucht.

Aber später kam der Bedarf nach mehr Information. Und mit diesem Bedarf kam eine Unsicherheit meiner Eltern, wie man damit umzugehen hat. Ich hatte die Unterstützung zum Amt zu gehen um nach meiner leiblichen Familie zu fragen und zu forschen. Leider damals mit wenigen Ergebnissen. Doch emotional blieb ich unterversorgt. Und diese Unterversorgung kompensierte ich durch ein Geltungsbedürfnis in der Schule. Besonders die ersten Teenagerjahre waren für mich eine Jagd nach Bestätigung und Anerkennung von aussen und von Menschen, denen ich im Zweifel einen Bären aufgebunden habe, nur um ihnen ein „Ah“ oder „Oh“ zu entlocken und gesehen zu werden.

Meine Eltern haben mich durch diese Phase gebracht, beschützt, gefördert und lieben mich. Aber das ist nicht genug.

Ein adoptiertes Kind braucht mehr als Liebe. Und ich brauche vor allem anderen das Gefühl, dass man mich nicht verlässt.

Auch wenn ich stolz war adoptiert und anders zu sein, auch wenn meine kindliche Naivität dachte, das ist nur wie ein weiteres Adjektiv zu all den anderen Dingen die ich bin, es hat doch sehr viel mehr Einfluss auf mich, als ich je dachte. Und dieser Gedanke wurde für mich greifbar, als mein Noch-Ehemann mich vor Jahren das erste Mal verlassen hat. Dieses Gefühl formulierte sich damals erstmalig so, sodass ich es greifen und verstehen konnte. Da saß ich also, mit meinen ganz eignen Verlustängsten.

Wenn ich als Baby, noch nicht alt genug etwas getan zu haben um jemanden zu vertreiben, schon verlassen werde, von jemandem der mich lieben sollte – was passiert dann wenn ich älter bin und selbstverständlich auch mal Fehler mache, jemanden verärgere oder verletze? Werde ich dann erst recht verlassen? So erschien es mir oft. Freundschaften und Beziehungen sind keine gute, ausschliessliche Quelle für den eigenen Selbstwert, doch leider habe ich das sehr lange so praktiziert. Und wenn dann jemand den gemeinsamen Weg mit mir verließ, dann war ich wertlos und mein Hirn nahm es als Beweis, dass ich es wieder einmal nicht wert gewesen bin, dass jemand bei mir bleibt. Dass es auf irgendeine schräge Art gerechtfertigt sei, dass jemand der mich mögen oder lieben sollte, mich dennoch verlässt. Denn unser Hirn ist fies, es sucht stets nach Beweisen, dass die eigenen, vor allem negativen Gedanken gerechtfertigt sind. Es will zwar, dass wir aus diesem Schmerz lernen, um ihn zukünftig zu vermeiden, doch einzugestehen, dass etwas mit den negativen Erwartungen bricht und man positiv überrascht wird, das fällt ihm sehr schwer. Da ist es leichter auf den gedanklichen, alten Wegen zu verharren, denn sie versprechen uns ein falsches Gefühl von Sicherheit.

Ich weiss heute über mich, dass ich sehr wohl ein Gefühl von Sicherheit brauche, in jeder zwischenmenschlichen Beziehung die ich führe. Aber keine die auf Äusserlichem basiert. Diese Sicherheit soll darauf beruhen, dass man einen sicheren Platz hat für ehrliche Kommunikation und in der man die Zeit, die Gedanken und die Meinung des Gegenüber wertschätzt. Aber auch eine Sicherheit, dass man sich gegenseitig nicht braucht um ein erfülltes Leben zu führen, sondern dass man sich gegenseitig will. Ich bin als adoptiertes Kind nicht dazu da, zu kompensieren, dass Eltern nicht in der Lage waren auf biologischem Weg ein Kind zu bekommen. Ich bin als Kind nicht dazu da, zu kompensieren, was die Eltern selbst nicht konnten oder durften, um es dann an Ihrer statt zu tun. Ich bin als Ehefrau nicht dazu da, zu unterstützen und zu lieben, aber gleichzeitig meine Emotionen auf die Ersatzbank zu setzen. Ich bin als Mutter nicht dazu da, mich selbst aufzugeben, denn was und wie ich bin machte mich zu der Frau, die überhaupt erst Mutter wurde.

Eine treibende Kraft in der Vergangenheit war also meine Angst verlassen zu werden. Egal von wem und wann. Ich bin nun sehr dankbar, dass ich das erkennen durfte und ich dieses Gefühl zähmen kann. Manche Menschen kommen um zu bleiben, andere sind nur Wegbegleiter. Das muss ich verinnerlichen, denn beide Arten der Begleitung definieren nicht meinen eigenen Weg.

Ich wünsche mir, dass Adoption kein Thema mehr ist, das hinter vorgehaltener Hand besprochen wird. Dass das Tabu fällt. Wenn ein adoptiertes Kind neugierig wird sollte diese Neugierde immer beachtet und Ihr nachgegangen werden. Noch viel wichtiger, es sollte nicht das Gefühl haben, es stünde ihm nicht zu nach all dem zu fragen. Egal wen diese Fragen verletzen, wen sie pikieren, wem sie eigene Selbstzweifel oder Verlustängste bescheren, es ist nicht die Aufgabe des adoptierten Kindes darauf Rücksicht zu nehmen. Sofern gewünscht, wird eine offene Kommunikation genau diese Ängste verschwinden lassen. Ich glaube fest daran, dass Wissen und Information essentiell sind im Vermeiden von Ängsten aller Art und eine ehrliche Kommunikation die Sicherheit und das Vertrauen schafft für eine stabile Basis einer jeden Beziehung. Denn diese Basis gibt die Sicherheit, dass man nicht bei jedem kleinen Sturm sofort verlassen werden könnte.

ps Ich habe meine leibliche Familie dennoch gefunden. Sobald ich diesen Beitrag geschrieben habe, verlinke ich ihn hier!

Passt auf Euch auf!

Bis ganz bald,

Eure Maggy*

Alleine oder einsam?

Alleine oder einsam?

Woche 8

Fleißig sind wir gewesen. Die Weihnachtsdose ist gefüllt mit herrlich duftenden Keksen und der Christbaum steht und funkelt mich gerade an. Maxi sah beim Plätzchenbacken genau so aus wie ich früher, saß wie ein Grosser auf der Arbeitsfläche und war über und über mit Mehl bestäubt. Aber Plätzchen ausstechen und in Schoko tunken macht eben so viel Spass! Oma half tatkräftig mit und so nasche ich jetzt, in aller Herrgottsfrühe, zu meinem obligatorischen Kaffe ein paar Kekse und versuche die Gedanken zu formulieren, die mir gestern Abend durch den Kopf gingen.

Man mag es kaum glauben, aber nach geschlagenen 3 Monaten, waren die letzten zwei Abende die ersten, die Max bei seinem Papa gewesen ist, an denen ich dann aber nicht krank daheim im Bett gelegen bin. Das ist sowas von ungewohnt! Spooky, wie ich so gerne sage! Bin ich dann aber nicht damit beschäftigt Fieber zu messen, Tee zu kochen oder zu schlafen, dann schleicht sich natürlich besonders jetzt, in der dunklen Jahreszeit, ein bestimmtes Gefühl ein: Das Alleinsein.

Das physische Alleinsein ist mir nun neu und es ist ungewohnt als auch willkommen. Willkommen deswegen, da ich immer noch merke, dass mein Nervenkostüm ein Dünnes ist. Das Einzige, das mir schon seit je her immer am Besten geholfen hat war Ruhe. Tatsächliche Ruhe. Da gibt es dann auch kein Radio das läuft, kein sinnloses Zappen durch TV Serien oder das Lesen all der Bücher die sich hier stapeln. Nein, dann muss absolute Ruhe herrschen. Alleinsein hat mich noch nie geschreckt oder war etwas das ich unbedingt vermeiden wollte, im Gegenteil. Doch zu diesem Alleinsein gesellt sich jetzt etwas anderes, das ich gestern das erste Mal hab anklopfen hören seit ich ausgezogen. Die Einsamkeit.

Alleinsein und Einsamkeit sind zwei verschiedene Dinge für mich, beides sind Resultate einer Trennung. In einer Beziehung hat man ja den Bonus, es ist eigentlich immer jemand da. Physisch. Diese Einsamkeit, die ich gestern wahrgenommen habe ist aber nicht gänzlich neu. Ich habe mich auch in meiner Ehe oft einsam gefühlt. Emotional. Etwas das mich sehr traurig gemacht hat. Wir konnten da einfach keine gemeinsame Wellenlänge mehr finden um für einander da zu sein. Das ist wirklich sehr frustrierend, denn wir waren sozusagen gemeinsam einsam in unserer Beziehung. Ist das nicht sogar schlimmer als alleine einsam zu sein? Ich finde schon. Denn diese neue Einsamkeit, die ist viel weniger belastend für mich, sie zehrt nicht an meinen Nerven und Gefühlen und vor allem saugt sie mir keine Energie ab. Ich habe keinen Drang sie auszumerzen oder etwas gegen sie zu tun. Ich habe sie einfach angenommen und versuche daraus Kraft zu schöpfen. So dass die Diskrepanz zwischen dem Alleinsein und der Einsamkeit weniger wird für mich. Denn habe ich Ruhe, finde ich den Frieden um meinen Blog zu schreiben, aufgeschobene Dinge zu erledigen oder sogar auch wieder an meine Zukunft zu denken. Vor allem die wird nun ganz anders aussehen als ich das noch bis vor Kurzem gedacht hatte.

Und dann habe ich mir Essen bestellt.

„Es ist schwer durchzuhalten. Der ganze Prozess einer Scheidung ist schwer. Sein Kind nicht jeden Tag zu sehen, das war nicht der Plan als ich Mutter wurde. Jeden Tag für sich selbst einstehen und Dinge anpacken, nicht nur in den Tag hineinleben, das ist schwer.“ Diese Worte stammen von der Sängerin Adele und sind aus ihrem Interview mit Oprah Winfrey. In ihrem neuen Album 30, welches diesen November erschienen ist, verarbeitet Adele ihre Scheidung (Knock knock, Weihnachtsgeschenkidee??). Dieses Album hätte für mich zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können und spricht mir an so vielen Stellen aus der Seele. Adele selbst spricht offen darüber, dass Ihr Album nicht für Teenager gemacht ist. Als sie es schrieb hatte sie Menschen im Kopf die in ihrem Alter sind oder älter, die die Tiefe und Verzweiflung nach empfinden können und denen sie Hoffnung spenden möchte. Ihr Album soll ihrem Sohn einmal erklären was passierte, wieso Mum & Dad sich getrennt haben und was in ihr vorging. Natürlich spielen viele Faktoren eine Rolle die mir aktuell nur zu bekannt vorkommen. Die Einsamkeit wenn man dann tatsächlich wieder Zeiten hat in denen man ganz alleine ist und sich einen neuen Alltag aufbauen muss. Die Schuldgefühle dem eignen Kind gegenüber. Die Disziplin sich nicht hängen zu lassen um die eigene, neue Zukunft zu gestalten.

Adele spricht offen darüber, dass sie nach der Trennung „maßgeblich“ dazu beigetragen hat die Alkoholindustrie am Laufen zu halten, doch dass es dann einen Schlussstrich gab und aus dem heraus entstand eine Routine, die sie schlussendlich auch dazu brachte knapp 50kg abzunehmen. Nun bin ich selbst dem Alkohol nicht zugetan, doch meine Achillesferse war schon immer das Essen. Essen beschäftigt und macht zufrieden und kaum war ich „abgefüllt“, musste ich mich gestern Abend an meiner eigenen Nase packen. Ich hatte mir Fast Food bestellt und spätestens beim letzten Bissen ärgerte ich mich, denn das war emotionales Frustessen. Manche neigen zum Alkohol, andere zu ausartender sportlicher Betätigung, verlieren sich im Kaufrausch oder der Online Gaming-Welt. Ich verfalle dem Essen und bin einmal mehr so dankbar, dass mein nun kleiner Magen, dem Ganzen ein Limit setzten kann. Denn gestern hätte ich sonst vielleicht keines gehabt. Essen aus Einsamkeit oder Langeweile ist sicher vielen emotionalen Essern ein Begriff und ich will nicht zu hart mit mir ins Gericht gehen, denn ich habe es gemerkt und konnte analysieren was geschehen ist. Viel schneller als früher und mit einem gnädigen Blick auf meine aktuelle Situation. Es gibt nun mal gute und etwas weniger gute Tage und Durchstehen ist besser als Abblocken. Aber es zeigte mir auch, mein Kopf ist manchmal schneller als mein Körper. Buchstäblich. Mein Körper ist langsamer im „Verdauen“ meiner neuen Situation, da kommt man mit Logik nicht sehr weit. Aber es ist gut für mich das zu Verstehen, denn so kann ich mir die Zeit nehmen wirklich im Hier und Jetzt anzukommen. Meine Therapeutin musste letzte Woche beinahe schmunzeln, denn sie notierte sich, dass das Thema Bauch und Ernährung wirklich ein grosses Thema bei mir ist. Worte wie Verdauen oder etwas schlägt mir auf den Magen, solche Dinge sage ich oft, selbst wenn es gar nicht ums Essen geht. Ihr seht, manche Muster sitzen tief. Doch Einsamkeit soll mir zukünftig nicht mehr schwer im Magen liegen.

Alleinsein ist also kein Problem für mich und an dem Gefühl der Einsamkeit muss ich arbeiten. Denn wenn die Vernunft einsetzt, dann weiss ich, dass ich ein tolles soziales Netz habe und Menschen die teilhaben an meinem Leben. Zu Essen um nicht gelangweilt zu sein, daran werde ich vermutlich ein leben lang arbeiten müssen, aber wenn ich wachsam bleibe, dann kann ich auch mit einem Ausrutscher zukünftig gut umgehen.

Habt Ihr denn Muster die Euch durch gewissen Gefühlszustände durch helfen? Ein buchstäbliches Geheimrezept? Dann lasst es mich wissen! Ich freue mich auf euren Input!

Bis ganz bald,

Bussis Maggy*

Einmal Sackgasse und zurück

Einmal Sackgasse und zurück

Woche 7

Da bin ich wieder!

Viel ist passiert und mein kleines Köpfchen hatte gut zu tun, um all die neuen Infos und Umstände zu verarbeiten.

Die Entscheidung steht, vermutlich Anfang des kommenden Jahres flattert mir die Scheidung ins Haus. Auch wenn das nicht mehr überraschend kommt, erwische ich mich dennoch dabei, immer wieder nach einem Punkt zu suchen, an dem meine Ehe „schief ging“. Aber gibt es so einen Punkt überhaupt? Diesen einen Moment an dem man rechts ging, statt links? Wann wurde aus dem gemeinsamen Weg, dem man sich verschworen hatte, eine trostlose Sackgasse?

Das Schöne an einer Beziehung für mich ist, dass sie nicht objektiv ist. Wir sind ja involviert, wir lieben und wir investieren. Investieren kann natürlich auch finanziell oder materiell gemeint sein, ich möchte aber in meinem Fall auf den emotionalen Aspekt eingehen. In einer Beziehung öffnet man sich, gibt einen Vertrauensvorschuss und lässt sich fallen. Das alles macht etwas mit einem. Es bindet, oder besser gesagt, es verbindet. Aber dennoch fiel mir beim Betrachten meiner eigenen Ehe etwas auf, das den Blick auf die Tatsachen etwas verklärte. Weiter oben habe ich geschrieben, dass meine Scheidung nicht mehr überraschend kommt. Aber wieso? Gab es da trotz all dieser Dinge die uns verbunden haben ein Gefühl, dass schon angezeigt haben könnte, dass wir in Schieflage geraten sind? Ja. Ich denke genau das ist passiert. Aber ich habe es verdrängt, nur wieso? Weil ich bereits so viel investiert hatte, zu viel um einfach aufzugeben. Und da geht die Objektivität verloren.

Dieses Gefühl weiter machen zu wollen oder beinahe zu müssen, ließ mich nicht los. Natürlich kämpft man um eine Beziehung wenn man Gefühle hat. Doch es muss noch mehr geben als das. Auf emotionaler Ebene. Wieso fällt es einem so schwer die subjektive Brille abzusetzen, einen Schritt zurück zu gehen, um die Situation etwas distanzierter zu betrachten? Einen Lösungsansatz, der mich bei meiner Recherche sofort faszinierte, bietet der Theoretiker Gerald R. Salancik: Eskalierendes Commitment.

Wenn wir bereits einen Weg eingeschlagen und ein gutes Stück hinter uns gelegt haben, dann fällt es uns besonders schwer umzudrehen, wenn sich herausstellt, dass der Weg doch nicht so gut ist wie angenommen. Soweit die Theorie. Doch diese lässt sich auf sehr vieles umlegen, auch auf eine Ehe. Je mehr wir in etwas investiert haben, desto weniger sind wir geneigt mit dem Investieren aufzuhören, selbst wenn wir feststellen, dass es kein lohnenswertes Ende geben wird. Um das Ganze aber noch zu übertreffen, nicht nur dass man weiter festhält, nein, wir sind sogar geneigt noch weiter und noch mehr zu investieren. Das alles im Glauben, dass ein Überinvestieren doch noch zum gewünschten Ergebnis führt, da die vorhergegangen Investitionen ja nicht umsonst gewesen sein können.

Für mich fühlt es sich so an wie eben beschrieben und ich habe gerungen, mit mir und meinen Dämonen. Ich war und bin in Therapie und auch mit meinem Noch-Ehemann gab es Sitzungen, in denen wir auch vieles gut aufarbeiten konnten. Der Fokus liegt nun aber auf unserem kleinen Maxi, somit ist es wichtig in einem guten und funktionierenden Dialog zu bleiben. Man kann sich nicht einfach komplett aus dem Leben des Expartners verabschieden. Doch natürlich ändert sich die Dynamik. Es ändert sich der Anspruch und die Erwartungshaltung und ein Gefühl kommt auf, dass einen weniger kooperativ werden lässt. Man ist gerade dabei sich zu trennen, man lernt alleine zu sein und für sich selbst einzustehen, ohne den Rückhalt eines Partners. Man hört buchstäblich auf in diese Beziehung zu investieren. Doch hier liegt der Hase begraben. Das Investieren geht weiter da man Eltern ist. Man muss die Kapitulation annehmen, dass die Liebesbeziehung gescheitert ist, dass das Investieren davor leider nicht zum Happy Ending führte. Doch nun beginnt ein anderes Investieren, in die Beziehung als getrennte aber stets verbundene Eltern. Das bedeutet Kooperation, doch genau das fällt mir hin und wieder schwer. Der Verstand hält mich auf Kurs, beruhigt den Schmerz oder die Wut die manchmal noch aufflackern und hält mich am Boden der Tatsachen. Ich habe gelernt, Emotionen nicht klein zu reden oder zu verdängen, sondern diese „durchfließen“ zu lassen. In der Therapie habe ich erfahren, dass eine extreme Emotion, egal ob positiv oder negativ, meistens nur knapp 20 Sekunden ihre Stärke behält, sofern man sie zulässt. Mir hilft das. Kommt Trauer auf oder auch Wut, dann lasse ich sie herein, wie in meinem früheren Blogpost Ich bin Gold wert! beschrieben.

Natürlich kann niemand vollkommen objektiv sein, wenn es um die eigene Beziehung geht. Das konnte ich auch nicht, aber wir können versuchen unsere vergangenen Investitionen aus manchen Betrachtungen und Analysen heraus zu lassen. Wenn man das schafft, dann besteht nicht die Gefahr, dass man Gefangener seiner eigenen Entscheidungen wird. Denn würde das passieren, dann wäre dies eine Eskalation der Verpflichtung dieser Entscheidungen gegenüber und somit ein Eskalierendes Commitment. Ich werde es zukünftig versuchen und glaube fest daran, dass nichts umsonst ist aber nichts ist es wert zu lange daran festzuhalten, wenn es einem nicht gut tut.

Ich wünsche euch von Herzen einen schönen Start in Euren Tag!

Alles Liebe,

Eure Maggy*

Sag Danke!

Sag Danke!

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Woche 4.2

Heute ist mein Kaffee bereits alle und der Kaffeesatz lacht mich aus den Tiefen der Weihnachtstasse an, als würde er sich schon auf seinen Refill freuen, denn den werde ich brauchen. Das Thema Dankbarkeit schwirrt mir schon sehr lange im Kopf herum, doch ein Anfang in ein Thema ist manchmal gar nicht so leicht zu finden.

Dankbarkeit erscheint mir als eine sehr unterschätze Eigenschaft. Und selbst wenn wir uns mit diesem Begriff auseinandersetzen, dann doch oft als die aktive Person in diesem Szenario. Uns wird früh beigebracht, dass wir dankbar sein sollen. Angeführt wird diese Liste meistens von pauschalen Highlights wie unserer Gesundheit, einer gesunden & glücklichen Familie, einem Dach über dem Kopf und etwas zu essen auf dem Tisch. Alles richtig, da gibt es keine Einwände. Etwas detaillierter wird es dann im Hinblick auf das Thema Dankbarkeit im Alltag. Zum Beispiel Dankbarkeit für die kleinen Dinge im Leben. Die Freundschaften die wir haben, die Möglichkeit auf tolle Reisen oder das neue Jobangebot. Aber immer sind wir es selbst, die Dankbarkeit empfinden und leben sollen. So weit so gut. Aber was ist, wenn diese Seite funktioniert? Wenn wir zwar für so Vieles dankbar sind, aber uns keine Dankbarkeit entgegen gebracht wird?

Würde man Menschen fragen was die drei wichtigsten Grundpfeiler einer Beziehung sind, dann bin ich mir sicher, dass diese Dinge eine zentrale Rolle spielen: Liebe – Vertrauen – Sexualität. Diese essenziellen Bestandteile sind definitiv nicht von der Hand zu weisen. Doch da gibt es noch mehr, viel mehr! Ich habe seit meinem Auszug viel darüber nachgedacht, was noch auf meiner Liste steht und wo ich das Gefühl habe, zum einen nicht genug gegeben, aber zum anderen auch nicht genug bekommen zu haben. Und beide Blickwinkel führten mich zur Dankbarkeit.

Ich war mir dessen vielleicht nicht bewusst, doch ich stelle fest, dass Dankbarkeit für mich eine wichtige Zutat in jeder zwischenmenschlichen Beziehung ist. Ein ehrliches, ausgesprochenes Danke kann einen riesigen Unterschied machen und eine Beziehung stärken und pushen. Man fühlt sich wahrgenommen, angenommen und motiviert. Man fühlt sich schlichtweg wertgeschätzt. Ein Gefühl, das mir seit langer Zeit gefehlt hat. Wie ihr wißt ist auch Selbstwert ein grosses Thema bei mir. Dies könnt ihr in meinem Blogpost Ich bin Gold wert! nachlesen. Doch ich möchte Dankbarkeit nicht mit dem Gefühl von äußerer Bestätigung mischen. Für mich sind das zwei klar getrennte Themen. Dankbarkeit ist ein viel subtileres Gefühl für mich, eines das für mich mindestens in die Top 5 der Grundpfeiler einer funktionierenden Beziehung gehört.

Umso bewusster ich mir darüber wurde, desto häufiger klopften Erinnerungen an, in denen Dankbarkeit Mangelware gewesen ist. Klingt hart, ich weiß. Wieder ein Stachel, den ich nun ziehe, damit ich heilen kann. Denn seit Maxis Geburt war ich Hausfrau und Mutter. Das war so besprochen, das war für uns Eltern keine Frage. Davor habe ich allerdings sehr viel gearbeitet und geholfen einen, unseren, Betrieb aufzubauen. Ich war stolz und glücklich über unseren Erfolg, den Maxis Papa & ich erzielen konnten und über all die Hürden die wir gemeistert hatten. Doch als dann mit dem Ende der Schwangerschaft und dem Muttersein viele Stunden ins Land zogen in denen ich alleine war, da tat sich auf, wo es in unserer Beziehung Schwachstellen und Fehltöne gab. Die Arbeit die wir verrichteten, war tagesfüllend. Gastronomie auf der einen, Weinbaubetrieb auf der anderen Seite, mit einer saisonalen Hauptlast im Sommer & Herbst. Da blieb wenig Zeit für Privates. Mit ein Grund, wieso auch die Kommunikation einen Abwärtstrend zeigte, war die fehlende Dankbarkeit von uns dem anderen gegenüber. Ich will ausdrücklich nicht sagen, dass diese nicht vorhanden gewesen ist, aber sie wurde nicht kommuniziert. Und am Ende haben wir uns beide vom anderen nicht mehr wertgeschätzt gefühlt. Fehlende Kommunikation also. Eine Seite der Medaille. Da gehören zwei dazu.

Die andere Seite der Medaille kenne ich nun aber auch und die tut mindestens genau so weh. Denn die kommt dann zum Vorschein, wenn man sich nicht nur nicht wertgeschätzt, sondern eigentlich auch noch mindergeschätzt fühlt. Also gerade das Gegenteil von Dankbarkeit.

Ist mir so passiert, als ich herausfand, dass Maxis Papa nach meinem Auszug wie folgt über mich bei seinen Freunden sprach: „Ich muss ja zahlen, die geht ja nicht arbeiten.“ … Tiefschlag …

Etwas das die Schärfe aus diesem Zitat nimmt ist, dass ich weiß, dass man in der Wut oder wenn man verletzt ist, Dinge sagt, die man so vielleicht nicht meint. Im Affekt gesprochene Worte, damit man Dampf ablassen kann. Aber leider ist der Stachel für mich dadurch nicht weniger schmerzhaft, vor Allem, weil wir uns einig gewesen sind, dass ich zu Hause bleibe, damit Maxi betreut ist. Ich hatte immer im Kopf und im Blick, dass ich wieder arbeiten gehen möchte. Das ist mein Anspruch an mich selbst. Aber dass die Tatsache, dass ich daheim bin und unser gemeinsames Kind großziehe und hauptsächlich versorge und auch den Haushalt schmeiße, so wenig Dankbarkeit erfährt, das war, wie oben erwähnt, ein absoluter Tiefschlag.

Ich bin keine Goldmarie die unter einem Bogen steht und erwartet, dass sie stets mit Anerkennung, Dankbarkeit und Lob überschüttet wird. Aber diese Aussage, das war zu viel. Das verfolgt mich bis heute und bedurfte einer gründlichen Selbstanalyse. Zuerst stand da nämlich für mich im Raum, wieso mir das überhaupt so nahe geht. Hatte ich überhaupt das recht mich aufzuregen oder verletzt zu sein? Es entspricht ja den Tatsachen. Das Grübeln ging also los und nachdem ich ausgeschlossen hatte, dass es nicht um meinen Stolz ging wurde die Sache etwas klarer für mich. Es stimmt, dass ich aktuell nicht arbeite. Zum einen, weil ich auf Grund der Trennung den gemeinsamen Betrieb verlassen habe und arbeitslos wurde und zum anderen, weil ich nun während der Arbeitslosigkeit in meinen Burnout geschlittert bin. Vor meiner Diagnose tat ich mein Bestes, um einen angemessenen Job zu finden der sich mit Kindergarten und Kinderbetreuung vereinbaren lässt. Ich hatte den Drang und Druck dies schnell bewerkstelligen zu wollen, um vor allem Maxis Papa so wenig wie möglich eine finanzielle Last zu sein. Wohl wissend, dass ich mich aber aktuell leider nicht komplett alleine erhalten kann. Aber ich habe es versucht, bis zum Zusammenbruch. Getrieben von dieser Aussage, die sich wie ein Dämon in meinem Kopf eingenistet hat.

Heute, mit etwas Abstand, kann ich aber sagen, diese Aussage war nicht okay. Sie entspricht nicht meinen Wertvorstellungen, Trennung und Schmerz hin oder her. Ich möchte bewusst nichts klein reden oder gaslighting betreiben, aber hier ging die Dankbarkeit verloren. Eine Dankbarkeit, die zwischen Eltern und / oder einem Paar für mich Standard sein sollten. Und ich habe das gespürt. Im Kontext der Vergangenheit überraschte mich diese Aussage eigentlich wenig. Sie war Beweis für ein Empfinden, das ich lange verdrängen konnte. Nun nicht mehr. Ich weiß nicht, ob ich die Gelegenheit bekomme, Maxis Papa dies persönlich zu sagen, ich werde es aber versuchen. Dennoch auch hier: Es tut mir so leid, ich war zu wenig dankbar und habe meine Dankbarkeit zu wenig gezeigt. Ich weiß das jetzt!

Die Lehre die ich daraus ziehen möchte ist, dass ich selbst zukünftig meine Dankbarkeit für was auch immer, immer zum Ausdruck bringen möchte. Ich möchte die Menschen in meinem Leben nicht daran zweifeln lassen, ob ich Dankbarkeit ihnen gegenüber empfinde, aber ich werde auch penibler darauf achten, ob ich mich wertgeschätzt fühle. Ein weiteres Thema, dass sich hier auftut, ist das Thema „Grenzen“. Dem werde ich mich ganz bald widmen. Hier sei aber schon einmal gesagt, dass dies eine neue Grenze ist für mich und bei mir: Wo Dankbarkeit fehlt für Dinge die der Dankbarkeit wert sind, da fehle dann auch bald ich.

Dankbarkeit ist Balsam für die Seele. Es ist für mich ein schönes Gefühl sie zu geben, aber auch, sie zu bekommen. Sie ist nichts Einseitiges und kann zu Verständnis und Nähe führen. Wir denken oft dankbare Gedanken, aber ich würde mir wünschen, dass sie auch öfters ausformuliert werden. Denn so wissen wir auch viel schneller und effektiver, ob wir mit jemandem auf einer Wellenlänge sind. Wertschätzung für gerade alltägliche Dinge, die kleinen Dinge, die aber am meisten Durchhaltevermögen oder Disziplin oder Gedanken und Vorbereitung beanspruchen, dafür lohnt es sich doch, Danke zu sagen!

Habt einen schönen Sonntag ihr Lieben!

Bis bald,

Eure Maggy*