„Courage is found in unlikely places“

„Courage is found in unlikely places“

cold glacier iceland snow

Woche 13

„Courage is found in unlikely places“ – Lady Galadriel, The Lord of the Rings by J.R.R. Tolkien

…aber zuerst wünsche ich Euch einmal von ganzem Herzen ein frohes neues Jahr!

Die Zeit verflog. Ich durfte über die Feiertage viel lachen, quatschen und Silvester haben Maxi, Paula und ich dann einfach verschlafen. Auch gut. So sind wir fit aufgewacht und haben traditionell dem Neujahrskonzert aus dem Wiener Musikverein gelauscht. Traditionen sind schon etwas Feines!

Ebenfalls eine meiner Traditionen ist es, um Weihnachten herum einer meiner Leidenschaften zu frönen: Der Herr der Ringe & Der Hobbit! Entweder lesen, die Filme schauen oder noch besser, gleich beides! Aber nur die Extended Editions, logo! Als ich den ersten Teil von Der Herr der Ringe gesehen habe, war das damals eine VHS die ich zu Hause bei meinen Eltern in den Videorekorder gesteckt habe, da eine Freundin von mir die VHS nicht wollte – wer schaut denn schon Fantasy! Klare Antwort: Ich! Ich hatte aber noch nie etwas von Tolkien und seinen Werken gehört und als der erste Teil endete, musste ich natürlich unbedingt wissen, wie es weiter geht. Und eine Leidenschaft nahm ihren Anfang.

Diese Bücher und Filme, ja eigentlich die ganze Welt, die Tolkien geschaffen hat, fasziniert mich seit jeher und die Entstehung der Geschichten um Mittelerde ziehen mich noch heute ebenso in Ihren Bann, wie das Making-Of der Peter Jackson Filme. Sie waren immer wie eine Art Seelentröster, eine Welt in der ich mich verlieren konnte und in der es hinter jeder Ecke noch ein Detail mehr gab, das man entdecken wollte. So begleitet mich Mittelerde also schon seit knapp 20 Jahren und ist ein Fixpunkt in meiner Freizeit geworden. Mal mehr mal weniger intensiv, aber den Ruf als Fan habe ich weg. Zurecht.

Doch mir konnte damals nicht bewusst gewesen sein, wie beispielhaft mir Frodos Reise durch Mittelerde einmal vorkommen würde. So sehr, dass ich einen meiner Körperteile nach ihm benenne. Ja, klingt komisch, ist aber so. ( Ich gebe ja fast allem einen Namen. Mein Auto heisst z.B. Hugo! )

Auf Anfang.

2016 saß ich also wieder einmal etwas resigniert bei meinem Hausarzt. Diagnose: Übergewicht, zu hoher Cholesterinspiegel, depressive Phasen, Asthma, Gefahr Diabetes zu bekommen. Klartext: Ich war adipös, sprich krankhaft fettleibig. Und nun? Als gewissenhafter Mensch habe ich immer die Finger von Crash-Diäten gelassen und wenn, dann nur mit Rücksprache meines Hausarztes diverse Abnahmeversuche gestartet. Weight Watchers, Metabolic Balance, Sport usw. … natürlich erzielen diese Systeme gewisse Erfolge. Aber nichts davon konnte dauerhaft mein Gewicht halten. Wo war also der Fehler in meinem System? Lange DVD Nächte mit überdimensionalen Herr der Ringe Sessions und Tonnen von Naschkram plus Cola waren es jedenfalls nicht. Was war es also?

Ich war es. Ich war der Fehler und bin es noch. Genau genommen ist es eine Art die ich an mir habe. Ich bin eine emotionale Esserin. Essen hat für mich viele Zwecke erfüllt, wenn ich mich nicht mit mir selbst konfrontieren konnte oder wollte. Wenn mir die Werkzeuge fehlten, angemessen auf eine Situation zu reagieren oder hinzuschauen. Dann habe ich gegessen um mich abzulenken, zu trösten und um eine Leere in mir zu füllen. Buchstäblich. Allerdings gibt es noch einen weiteren Aspekt der mir durch ein frühere Therapie klar wurde. Da ich verbal nicht in der Lage war Grenzen zu setzen, geschweige den für diese einzustehen, habe ich mit meinem Essverhalten und dem Gewicht eine Art Panzer um mich herum gebaut, der mich geschützt hat. Klingt super skurril und wäre mir nie in den Sinn gekommen, bis ich dann abgenommen und mich ohne das Fett um mich herum beinahe nackt und schutzlos gefühlt habe. Zudem wirkte das ganze zusätzliche Fett an mir wie eine Stütze, nach der Abnahme musste ich mich wirklich neu konfigurieren was z.B. Sitzen, Gehen und Stehen angeht. Ich musste mich anpassen und konnte nicht einfach nur auf einem Stuhl herum lümmeln, denn dann wäre ich nun einfach zusammen gesackt. Ich war also erst einmal damit beschäftigt meinen Körper zu sortieren und natürlich auch ihn neu einzukleiden. Das machte Spass! Doch die Warnung, die ich vor meiner Magenbypass-OP gehört habe, hallte noch in meinem Hinterkopf nach und hat sich bewahrheitet. Der Körper ändert sich schnell. Der Kopf tut das nicht.

Mein Magenbypass war und ist nicht die Lösung dafür, dass ich immer noch eine emotionale Esserin bin. So sehr ich an mir arbeite, so viele Therapien ich auch mache, ich muss das annehmen und mit einem Bewusstsein dafür lernen zu leben. Ein Magenbypass kann mit der Zeit ausgetrickst werden, er kann sich wieder dehnen oder man schwenkt um und sucht sich andere Mittel die das Essen ersetzen. Leider verfallen viele Patienten dann andern Süchten wie dem Alkohol oder futtern sich langsam aber sicher Ihr ganzes Übergewicht wieder drauf. Denn der Kopf und die Emotionen ändern sich durch eine Gewichtsabnahme in diesem rasanten Tempo genau gar nicht. Der Körper verbrennt Energie aus dem Fett, da er durch die Nahrung nicht mehr genug davon bekommt, aber was in einem psychisch abgeht, daran muss man selbst arbeiten und dieser Weg dauert sehr lange.

Und da landen wir wieder in meinem ganz eignen Mittelerde. Denn mein Hausarzt fragte mich dann, ob ich schon einmal etwas von einer Magenbypass Operation gehört hätte. Ich kannte zwar Berichte über Magenband Operationen bei denen der Magen für eine gewisse Zeit quasi abgeschnürt wird, aber von einer dauerhaften Veränderung des Magens hatte ich zuvor noch nie gehört. Doch genau in diesem Moment war klar, das ist es. Das ist meine Hilfe für ein gesünderes und besseres Leben. Den beschwerlichen, leidvollen Weg durch Mittelerde hatte ich wie Frodo hinter mich gebracht und nun stand ich vor den Toren von Mordor. Und mein eigener, kleiner Magenbypass-Frodo ist nun die Hilfe, auch noch den Schicksalsberg hinauf zu steigen um all meinen physischen Ballast in die Flammen zu werfen.

Deswegen trägt mein Magen nun diesen Namen. Das ist der körperliche Aspekt, denn auch bei mir schmolzen die Pfunde. Doch am Ende der Triologie verlässt Frodo freiwillig seine Heimat, das Auenland, denn er stellt fest, er passt dort nicht mehr hin. Er hat zu viel erlebt, er hat zu viel gelitten und er hat sich zu sehr verändert um das Leben wie davor weiter zu leben. Und genau so geht es mir bis heute. Ich bin nicht mehr die Selbe wie vor meiner Abnahme. Und ganz ehrlich, ich trauere dieser Person nicht nach. Ich empfinde viel Empathie für mein altes Ich, habe Verständnis und versuche sie anzunehmen wie sie nun einmal war. Dass sie aus den Mitteln die sie hatte versucht hat, bestmöglich nach sich zu schauen. Doch mit den knapp 30kg die ich verloren habe, verlor ich auch so manche Komplexe, falsche Ideale und zum Glück auch Verhaltensmuster, um mit stressigen und emotional schwierigen Situationen umzugehen.

Doch dieses Verlieren hinterließ ein Vakuum. Was nun? Wie gehe ich denn nun mit mir um? Mein „Auenland“ war ja noch da. Auch ich kam heim und wollte anschließen an das Leben das ich hatte. Doch es hat nicht funktioniert. Und auch die Tatsache, dass ich nun hier sitze und Anwaltstermine für eine Scheidung organisiere, ist ein Resultat dessen. Ich habe mich zu sehr verändert, mein Kopf hat sich zu sehr verändert und meine Toleranz für Dinge die mir nicht gut tun ist maßgeblich gesunken.

Mein Weg durch mein Mittelerde war seit jeher gezeichnet durch Mobbing und Ausgrenzung auf Grund meines Gewichtes und immer wieder dem Thema wenig Selbstwert zu haben. Dieser Teufelskreis führte zu dem Irrglauben, ich sei nicht viel wert, es sei denn, ich sehe gut aus. Und gutes Aussehen gilt momentan nur als erfüllt, wenn man gewissen Idealen entspricht die man aus den Medien kennt. Gesundheit ist schlichtweg überbewertet.

Doch auch wenn ich sehr unter meiner Optik gelitten habe, ist es mir sehr wichtig hier zu sagen, der Hauptgrund für meinen Weg war genau diese Motivation gesund zu sein. Dies hier ist keine Werbung für bariatrische Eingriffe und es war meine ganz persönliche Entscheidung, da ich jemand bin der sich mittlerweile gut kennt und ganz klare Grenzen braucht und sich auch an diese halten will. Ich hatte am Tag meiner Operation 99.9kg und das auf eine Größe von 1,59m. Niemand kann mir sagen, das sei gesund gewesen und ich hätte nur noch mehr zu mir stehen müssen. Ich wollte so nicht weiter machen und vor allem hätte ich so nie schwanger werden und somit die Ü-100-Marke ( über 100kg ) sprengen wollen. Ich hab es geschafft und ich habe die Kurve bekommen. Ich bin aktuell zufrieden mit meiner Optik, aber mein Kopf, der braucht noch etwas mehr Hilfe um im Spiegel etwas zu sehen das er annehmen und irgendwann auch wertschätzen oder lieben kann.

Links: Sommer 2016 / 99,9 kg. Rechts: Sommer 2017 / 66kg.

Man kann nicht immer das Selbe machen und hoffen dass es irgendwann ein anderes Ergebnis erzielt. So funktioniert es leider nicht. Auch nicht bei psychischen Problemen oder der Ernährung. Aber gerade bei mir gehen diese beiden Dinge Hand in Hand. Geht es mir nicht gut, neige ich dazu ungesund essen zu wollen. Doch gerade dann müsste man sich das gesunde Zeug schnappen um dem Körper die Stoffe zu geben die er braucht. Daran arbeite ich nun.

Ich hätte nie gedacht, dass ich in der Praxis meines Hausarztes und tief in mir drin den Mut finde, zu so einer Operation Ja zu sagen. Dass ich ein letztes Mal die Hoffnung aufbringen kann, mich dem Marathon der Voruntersuchungen und Tests zu stellen ( die mindestens 1/2 Jahr dauern ), Selbsthilfegruppen für Adipositas zu besuchen, eine Vollnarkose in Kauf zu nehmen und von heute auf morgen tief eingeprägte Verhaltensmuster weg zu radikalisieren. Aber ich habe es. Und ich bin unendlich dankbar für die Hilfe die mir zu teil wurde. Von den Menschen die mich unterstützt haben und meinem alten Ich, das langsam aber sicher zu einer Erinnerung wird die mich nicht mehr quält sonder ermutigt Dinge zu schaffen die wirken, wie das Erklimmen des Schicksalberges in Mordor.

Ihr Lieben lasst Euch nicht aufhalten, Ihr könnt mehr schaffen als ihr denkt!

Bis ganz bald,

Eure Maggy*

Ein Gedanke zu “„Courage is found in unlikely places“

Kommentar verfassen