Alleine oder einsam?

Alleine oder einsam?

Woche 8

Fleißig sind wir gewesen. Die Weihnachtsdose ist gefüllt mit herrlich duftenden Keksen und der Christbaum steht und funkelt mich gerade an. Maxi sah beim Plätzchenbacken genau so aus wie ich früher, saß wie ein Grosser auf der Arbeitsfläche und war über und über mit Mehl bestäubt. Aber Plätzchen ausstechen und in Schoko tunken macht eben so viel Spass! Oma half tatkräftig mit und so nasche ich jetzt, in aller Herrgottsfrühe, zu meinem obligatorischen Kaffe ein paar Kekse und versuche die Gedanken zu formulieren, die mir gestern Abend durch den Kopf gingen.

Man mag es kaum glauben, aber nach geschlagenen 3 Monaten, waren die letzten zwei Abende die ersten, die Max bei seinem Papa gewesen ist, an denen ich dann aber nicht krank daheim im Bett gelegen bin. Das ist sowas von ungewohnt! Spooky, wie ich so gerne sage! Bin ich dann aber nicht damit beschäftigt Fieber zu messen, Tee zu kochen oder zu schlafen, dann schleicht sich natürlich besonders jetzt, in der dunklen Jahreszeit, ein bestimmtes Gefühl ein: Das Alleinsein.

Das physische Alleinsein ist mir nun neu und es ist ungewohnt als auch willkommen. Willkommen deswegen, da ich immer noch merke, dass mein Nervenkostüm ein Dünnes ist. Das Einzige, das mir schon seit je her immer am Besten geholfen hat war Ruhe. Tatsächliche Ruhe. Da gibt es dann auch kein Radio das läuft, kein sinnloses Zappen durch TV Serien oder das Lesen all der Bücher die sich hier stapeln. Nein, dann muss absolute Ruhe herrschen. Alleinsein hat mich noch nie geschreckt oder war etwas das ich unbedingt vermeiden wollte, im Gegenteil. Doch zu diesem Alleinsein gesellt sich jetzt etwas anderes, das ich gestern das erste Mal hab anklopfen hören seit ich ausgezogen. Die Einsamkeit.

Alleinsein und Einsamkeit sind zwei verschiedene Dinge für mich, beides sind Resultate einer Trennung. In einer Beziehung hat man ja den Bonus, es ist eigentlich immer jemand da. Physisch. Diese Einsamkeit, die ich gestern wahrgenommen habe ist aber nicht gänzlich neu. Ich habe mich auch in meiner Ehe oft einsam gefühlt. Emotional. Etwas das mich sehr traurig gemacht hat. Wir konnten da einfach keine gemeinsame Wellenlänge mehr finden um für einander da zu sein. Das ist wirklich sehr frustrierend, denn wir waren sozusagen gemeinsam einsam in unserer Beziehung. Ist das nicht sogar schlimmer als alleine einsam zu sein? Ich finde schon. Denn diese neue Einsamkeit, die ist viel weniger belastend für mich, sie zehrt nicht an meinen Nerven und Gefühlen und vor allem saugt sie mir keine Energie ab. Ich habe keinen Drang sie auszumerzen oder etwas gegen sie zu tun. Ich habe sie einfach angenommen und versuche daraus Kraft zu schöpfen. So dass die Diskrepanz zwischen dem Alleinsein und der Einsamkeit weniger wird für mich. Denn habe ich Ruhe, finde ich den Frieden um meinen Blog zu schreiben, aufgeschobene Dinge zu erledigen oder sogar auch wieder an meine Zukunft zu denken. Vor allem die wird nun ganz anders aussehen als ich das noch bis vor Kurzem gedacht hatte.

Und dann habe ich mir Essen bestellt.

„Es ist schwer durchzuhalten. Der ganze Prozess einer Scheidung ist schwer. Sein Kind nicht jeden Tag zu sehen, das war nicht der Plan als ich Mutter wurde. Jeden Tag für sich selbst einstehen und Dinge anpacken, nicht nur in den Tag hineinleben, das ist schwer.“ Diese Worte stammen von der Sängerin Adele und sind aus ihrem Interview mit Oprah Winfrey. In ihrem neuen Album 30, welches diesen November erschienen ist, verarbeitet Adele ihre Scheidung (Knock knock, Weihnachtsgeschenkidee??). Dieses Album hätte für mich zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können und spricht mir an so vielen Stellen aus der Seele. Adele selbst spricht offen darüber, dass Ihr Album nicht für Teenager gemacht ist. Als sie es schrieb hatte sie Menschen im Kopf die in ihrem Alter sind oder älter, die die Tiefe und Verzweiflung nach empfinden können und denen sie Hoffnung spenden möchte. Ihr Album soll ihrem Sohn einmal erklären was passierte, wieso Mum & Dad sich getrennt haben und was in ihr vorging. Natürlich spielen viele Faktoren eine Rolle die mir aktuell nur zu bekannt vorkommen. Die Einsamkeit wenn man dann tatsächlich wieder Zeiten hat in denen man ganz alleine ist und sich einen neuen Alltag aufbauen muss. Die Schuldgefühle dem eignen Kind gegenüber. Die Disziplin sich nicht hängen zu lassen um die eigene, neue Zukunft zu gestalten.

Adele spricht offen darüber, dass sie nach der Trennung „maßgeblich“ dazu beigetragen hat die Alkoholindustrie am Laufen zu halten, doch dass es dann einen Schlussstrich gab und aus dem heraus entstand eine Routine, die sie schlussendlich auch dazu brachte knapp 50kg abzunehmen. Nun bin ich selbst dem Alkohol nicht zugetan, doch meine Achillesferse war schon immer das Essen. Essen beschäftigt und macht zufrieden und kaum war ich „abgefüllt“, musste ich mich gestern Abend an meiner eigenen Nase packen. Ich hatte mir Fast Food bestellt und spätestens beim letzten Bissen ärgerte ich mich, denn das war emotionales Frustessen. Manche neigen zum Alkohol, andere zu ausartender sportlicher Betätigung, verlieren sich im Kaufrausch oder der Online Gaming-Welt. Ich verfalle dem Essen und bin einmal mehr so dankbar, dass mein nun kleiner Magen, dem Ganzen ein Limit setzten kann. Denn gestern hätte ich sonst vielleicht keines gehabt. Essen aus Einsamkeit oder Langeweile ist sicher vielen emotionalen Essern ein Begriff und ich will nicht zu hart mit mir ins Gericht gehen, denn ich habe es gemerkt und konnte analysieren was geschehen ist. Viel schneller als früher und mit einem gnädigen Blick auf meine aktuelle Situation. Es gibt nun mal gute und etwas weniger gute Tage und Durchstehen ist besser als Abblocken. Aber es zeigte mir auch, mein Kopf ist manchmal schneller als mein Körper. Buchstäblich. Mein Körper ist langsamer im „Verdauen“ meiner neuen Situation, da kommt man mit Logik nicht sehr weit. Aber es ist gut für mich das zu Verstehen, denn so kann ich mir die Zeit nehmen wirklich im Hier und Jetzt anzukommen. Meine Therapeutin musste letzte Woche beinahe schmunzeln, denn sie notierte sich, dass das Thema Bauch und Ernährung wirklich ein grosses Thema bei mir ist. Worte wie Verdauen oder etwas schlägt mir auf den Magen, solche Dinge sage ich oft, selbst wenn es gar nicht ums Essen geht. Ihr seht, manche Muster sitzen tief. Doch Einsamkeit soll mir zukünftig nicht mehr schwer im Magen liegen.

Alleinsein ist also kein Problem für mich und an dem Gefühl der Einsamkeit muss ich arbeiten. Denn wenn die Vernunft einsetzt, dann weiss ich, dass ich ein tolles soziales Netz habe und Menschen die teilhaben an meinem Leben. Zu Essen um nicht gelangweilt zu sein, daran werde ich vermutlich ein leben lang arbeiten müssen, aber wenn ich wachsam bleibe, dann kann ich auch mit einem Ausrutscher zukünftig gut umgehen.

Habt Ihr denn Muster die Euch durch gewissen Gefühlszustände durch helfen? Ein buchstäbliches Geheimrezept? Dann lasst es mich wissen! Ich freue mich auf euren Input!

Bis ganz bald,

Bussis Maggy*

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