Einmal Sackgasse und zurück

Einmal Sackgasse und zurück

Woche 7

Da bin ich wieder!

Viel ist passiert und mein kleines Köpfchen hatte gut zu tun, um all die neuen Infos und Umstände zu verarbeiten.

Die Entscheidung steht, vermutlich Anfang des kommenden Jahres flattert mir die Scheidung ins Haus. Auch wenn das nicht mehr überraschend kommt, erwische ich mich dennoch dabei, immer wieder nach einem Punkt zu suchen, an dem meine Ehe „schief ging“. Aber gibt es so einen Punkt überhaupt? Diesen einen Moment an dem man rechts ging, statt links? Wann wurde aus dem gemeinsamen Weg, dem man sich verschworen hatte, eine trostlose Sackgasse?

Das Schöne an einer Beziehung für mich ist, dass sie nicht objektiv ist. Wir sind ja involviert, wir lieben und wir investieren. Investieren kann natürlich auch finanziell oder materiell gemeint sein, ich möchte aber in meinem Fall auf den emotionalen Aspekt eingehen. In einer Beziehung öffnet man sich, gibt einen Vertrauensvorschuss und lässt sich fallen. Das alles macht etwas mit einem. Es bindet, oder besser gesagt, es verbindet. Aber dennoch fiel mir beim Betrachten meiner eigenen Ehe etwas auf, das den Blick auf die Tatsachen etwas verklärte. Weiter oben habe ich geschrieben, dass meine Scheidung nicht mehr überraschend kommt. Aber wieso? Gab es da trotz all dieser Dinge die uns verbunden haben ein Gefühl, dass schon angezeigt haben könnte, dass wir in Schieflage geraten sind? Ja. Ich denke genau das ist passiert. Aber ich habe es verdrängt, nur wieso? Weil ich bereits so viel investiert hatte, zu viel um einfach aufzugeben. Und da geht die Objektivität verloren.

Dieses Gefühl weiter machen zu wollen oder beinahe zu müssen, ließ mich nicht los. Natürlich kämpft man um eine Beziehung wenn man Gefühle hat. Doch es muss noch mehr geben als das. Auf emotionaler Ebene. Wieso fällt es einem so schwer die subjektive Brille abzusetzen, einen Schritt zurück zu gehen, um die Situation etwas distanzierter zu betrachten? Einen Lösungsansatz, der mich bei meiner Recherche sofort faszinierte, bietet der Theoretiker Gerald R. Salancik: Eskalierendes Commitment.

Wenn wir bereits einen Weg eingeschlagen und ein gutes Stück hinter uns gelegt haben, dann fällt es uns besonders schwer umzudrehen, wenn sich herausstellt, dass der Weg doch nicht so gut ist wie angenommen. Soweit die Theorie. Doch diese lässt sich auf sehr vieles umlegen, auch auf eine Ehe. Je mehr wir in etwas investiert haben, desto weniger sind wir geneigt mit dem Investieren aufzuhören, selbst wenn wir feststellen, dass es kein lohnenswertes Ende geben wird. Um das Ganze aber noch zu übertreffen, nicht nur dass man weiter festhält, nein, wir sind sogar geneigt noch weiter und noch mehr zu investieren. Das alles im Glauben, dass ein Überinvestieren doch noch zum gewünschten Ergebnis führt, da die vorhergegangen Investitionen ja nicht umsonst gewesen sein können.

Für mich fühlt es sich so an wie eben beschrieben und ich habe gerungen, mit mir und meinen Dämonen. Ich war und bin in Therapie und auch mit meinem Noch-Ehemann gab es Sitzungen, in denen wir auch vieles gut aufarbeiten konnten. Der Fokus liegt nun aber auf unserem kleinen Maxi, somit ist es wichtig in einem guten und funktionierenden Dialog zu bleiben. Man kann sich nicht einfach komplett aus dem Leben des Expartners verabschieden. Doch natürlich ändert sich die Dynamik. Es ändert sich der Anspruch und die Erwartungshaltung und ein Gefühl kommt auf, dass einen weniger kooperativ werden lässt. Man ist gerade dabei sich zu trennen, man lernt alleine zu sein und für sich selbst einzustehen, ohne den Rückhalt eines Partners. Man hört buchstäblich auf in diese Beziehung zu investieren. Doch hier liegt der Hase begraben. Das Investieren geht weiter da man Eltern ist. Man muss die Kapitulation annehmen, dass die Liebesbeziehung gescheitert ist, dass das Investieren davor leider nicht zum Happy Ending führte. Doch nun beginnt ein anderes Investieren, in die Beziehung als getrennte aber stets verbundene Eltern. Das bedeutet Kooperation, doch genau das fällt mir hin und wieder schwer. Der Verstand hält mich auf Kurs, beruhigt den Schmerz oder die Wut die manchmal noch aufflackern und hält mich am Boden der Tatsachen. Ich habe gelernt, Emotionen nicht klein zu reden oder zu verdängen, sondern diese „durchfließen“ zu lassen. In der Therapie habe ich erfahren, dass eine extreme Emotion, egal ob positiv oder negativ, meistens nur knapp 20 Sekunden ihre Stärke behält, sofern man sie zulässt. Mir hilft das. Kommt Trauer auf oder auch Wut, dann lasse ich sie herein, wie in meinem früheren Blogpost Ich bin Gold wert! beschrieben.

Natürlich kann niemand vollkommen objektiv sein, wenn es um die eigene Beziehung geht. Das konnte ich auch nicht, aber wir können versuchen unsere vergangenen Investitionen aus manchen Betrachtungen und Analysen heraus zu lassen. Wenn man das schafft, dann besteht nicht die Gefahr, dass man Gefangener seiner eigenen Entscheidungen wird. Denn würde das passieren, dann wäre dies eine Eskalation der Verpflichtung dieser Entscheidungen gegenüber und somit ein Eskalierendes Commitment. Ich werde es zukünftig versuchen und glaube fest daran, dass nichts umsonst ist aber nichts ist es wert zu lange daran festzuhalten, wenn es einem nicht gut tut.

Ich wünsche euch von Herzen einen schönen Start in Euren Tag!

Alles Liebe,

Eure Maggy*

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