Sag Danke!

Sag Danke!

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Woche 4.2

Heute ist mein Kaffee bereits alle und der Kaffeesatz lacht mich aus den Tiefen der Weihnachtstasse an, als würde er sich schon auf seinen Refill freuen, denn den werde ich brauchen. Das Thema Dankbarkeit schwirrt mir schon sehr lange im Kopf herum, doch ein Anfang in ein Thema ist manchmal gar nicht so leicht zu finden.

Dankbarkeit erscheint mir als eine sehr unterschätze Eigenschaft. Und selbst wenn wir uns mit diesem Begriff auseinandersetzen, dann doch oft als die aktive Person in diesem Szenario. Uns wird früh beigebracht, dass wir dankbar sein sollen. Angeführt wird diese Liste meistens von pauschalen Highlights wie unserer Gesundheit, einer gesunden & glücklichen Familie, einem Dach über dem Kopf und etwas zu essen auf dem Tisch. Alles richtig, da gibt es keine Einwände. Etwas detaillierter wird es dann im Hinblick auf das Thema Dankbarkeit im Alltag. Zum Beispiel Dankbarkeit für die kleinen Dinge im Leben. Die Freundschaften die wir haben, die Möglichkeit auf tolle Reisen oder das neue Jobangebot. Aber immer sind wir es selbst, die Dankbarkeit empfinden und leben sollen. So weit so gut. Aber was ist, wenn diese Seite funktioniert? Wenn wir zwar für so Vieles dankbar sind, aber uns keine Dankbarkeit entgegen gebracht wird?

Würde man Menschen fragen was die drei wichtigsten Grundpfeiler einer Beziehung sind, dann bin ich mir sicher, dass diese Dinge eine zentrale Rolle spielen: Liebe – Vertrauen – Sexualität. Diese essenziellen Bestandteile sind definitiv nicht von der Hand zu weisen. Doch da gibt es noch mehr, viel mehr! Ich habe seit meinem Auszug viel darüber nachgedacht, was noch auf meiner Liste steht und wo ich das Gefühl habe, zum einen nicht genug gegeben, aber zum anderen auch nicht genug bekommen zu haben. Und beide Blickwinkel führten mich zur Dankbarkeit.

Ich war mir dessen vielleicht nicht bewusst, doch ich stelle fest, dass Dankbarkeit für mich eine wichtige Zutat in jeder zwischenmenschlichen Beziehung ist. Ein ehrliches, ausgesprochenes Danke kann einen riesigen Unterschied machen und eine Beziehung stärken und pushen. Man fühlt sich wahrgenommen, angenommen und motiviert. Man fühlt sich schlichtweg wertgeschätzt. Ein Gefühl, das mir seit langer Zeit gefehlt hat. Wie ihr wißt ist auch Selbstwert ein grosses Thema bei mir. Dies könnt ihr in meinem Blogpost Ich bin Gold wert! nachlesen. Doch ich möchte Dankbarkeit nicht mit dem Gefühl von äußerer Bestätigung mischen. Für mich sind das zwei klar getrennte Themen. Dankbarkeit ist ein viel subtileres Gefühl für mich, eines das für mich mindestens in die Top 5 der Grundpfeiler einer funktionierenden Beziehung gehört.

Umso bewusster ich mir darüber wurde, desto häufiger klopften Erinnerungen an, in denen Dankbarkeit Mangelware gewesen ist. Klingt hart, ich weiß. Wieder ein Stachel, den ich nun ziehe, damit ich heilen kann. Denn seit Maxis Geburt war ich Hausfrau und Mutter. Das war so besprochen, das war für uns Eltern keine Frage. Davor habe ich allerdings sehr viel gearbeitet und geholfen einen, unseren, Betrieb aufzubauen. Ich war stolz und glücklich über unseren Erfolg, den Maxis Papa & ich erzielen konnten und über all die Hürden die wir gemeistert hatten. Doch als dann mit dem Ende der Schwangerschaft und dem Muttersein viele Stunden ins Land zogen in denen ich alleine war, da tat sich auf, wo es in unserer Beziehung Schwachstellen und Fehltöne gab. Die Arbeit die wir verrichteten, war tagesfüllend. Gastronomie auf der einen, Weinbaubetrieb auf der anderen Seite, mit einer saisonalen Hauptlast im Sommer & Herbst. Da blieb wenig Zeit für Privates. Mit ein Grund, wieso auch die Kommunikation einen Abwärtstrend zeigte, war die fehlende Dankbarkeit von uns dem anderen gegenüber. Ich will ausdrücklich nicht sagen, dass diese nicht vorhanden gewesen ist, aber sie wurde nicht kommuniziert. Und am Ende haben wir uns beide vom anderen nicht mehr wertgeschätzt gefühlt. Fehlende Kommunikation also. Eine Seite der Medaille. Da gehören zwei dazu.

Die andere Seite der Medaille kenne ich nun aber auch und die tut mindestens genau so weh. Denn die kommt dann zum Vorschein, wenn man sich nicht nur nicht wertgeschätzt, sondern eigentlich auch noch mindergeschätzt fühlt. Also gerade das Gegenteil von Dankbarkeit.

Ist mir so passiert, als ich herausfand, dass Maxis Papa nach meinem Auszug wie folgt über mich bei seinen Freunden sprach: „Ich muss ja zahlen, die geht ja nicht arbeiten.“ … Tiefschlag …

Etwas das die Schärfe aus diesem Zitat nimmt ist, dass ich weiß, dass man in der Wut oder wenn man verletzt ist, Dinge sagt, die man so vielleicht nicht meint. Im Affekt gesprochene Worte, damit man Dampf ablassen kann. Aber leider ist der Stachel für mich dadurch nicht weniger schmerzhaft, vor Allem, weil wir uns einig gewesen sind, dass ich zu Hause bleibe, damit Maxi betreut ist. Ich hatte immer im Kopf und im Blick, dass ich wieder arbeiten gehen möchte. Das ist mein Anspruch an mich selbst. Aber dass die Tatsache, dass ich daheim bin und unser gemeinsames Kind großziehe und hauptsächlich versorge und auch den Haushalt schmeiße, so wenig Dankbarkeit erfährt, das war, wie oben erwähnt, ein absoluter Tiefschlag.

Ich bin keine Goldmarie die unter einem Bogen steht und erwartet, dass sie stets mit Anerkennung, Dankbarkeit und Lob überschüttet wird. Aber diese Aussage, das war zu viel. Das verfolgt mich bis heute und bedurfte einer gründlichen Selbstanalyse. Zuerst stand da nämlich für mich im Raum, wieso mir das überhaupt so nahe geht. Hatte ich überhaupt das recht mich aufzuregen oder verletzt zu sein? Es entspricht ja den Tatsachen. Das Grübeln ging also los und nachdem ich ausgeschlossen hatte, dass es nicht um meinen Stolz ging wurde die Sache etwas klarer für mich. Es stimmt, dass ich aktuell nicht arbeite. Zum einen, weil ich auf Grund der Trennung den gemeinsamen Betrieb verlassen habe und arbeitslos wurde und zum anderen, weil ich nun während der Arbeitslosigkeit in meinen Burnout geschlittert bin. Vor meiner Diagnose tat ich mein Bestes, um einen angemessenen Job zu finden der sich mit Kindergarten und Kinderbetreuung vereinbaren lässt. Ich hatte den Drang und Druck dies schnell bewerkstelligen zu wollen, um vor allem Maxis Papa so wenig wie möglich eine finanzielle Last zu sein. Wohl wissend, dass ich mich aber aktuell leider nicht komplett alleine erhalten kann. Aber ich habe es versucht, bis zum Zusammenbruch. Getrieben von dieser Aussage, die sich wie ein Dämon in meinem Kopf eingenistet hat.

Heute, mit etwas Abstand, kann ich aber sagen, diese Aussage war nicht okay. Sie entspricht nicht meinen Wertvorstellungen, Trennung und Schmerz hin oder her. Ich möchte bewusst nichts klein reden oder gaslighting betreiben, aber hier ging die Dankbarkeit verloren. Eine Dankbarkeit, die zwischen Eltern und / oder einem Paar für mich Standard sein sollten. Und ich habe das gespürt. Im Kontext der Vergangenheit überraschte mich diese Aussage eigentlich wenig. Sie war Beweis für ein Empfinden, das ich lange verdrängen konnte. Nun nicht mehr. Ich weiß nicht, ob ich die Gelegenheit bekomme, Maxis Papa dies persönlich zu sagen, ich werde es aber versuchen. Dennoch auch hier: Es tut mir so leid, ich war zu wenig dankbar und habe meine Dankbarkeit zu wenig gezeigt. Ich weiß das jetzt!

Die Lehre die ich daraus ziehen möchte ist, dass ich selbst zukünftig meine Dankbarkeit für was auch immer, immer zum Ausdruck bringen möchte. Ich möchte die Menschen in meinem Leben nicht daran zweifeln lassen, ob ich Dankbarkeit ihnen gegenüber empfinde, aber ich werde auch penibler darauf achten, ob ich mich wertgeschätzt fühle. Ein weiteres Thema, dass sich hier auftut, ist das Thema „Grenzen“. Dem werde ich mich ganz bald widmen. Hier sei aber schon einmal gesagt, dass dies eine neue Grenze ist für mich und bei mir: Wo Dankbarkeit fehlt für Dinge die der Dankbarkeit wert sind, da fehle dann auch bald ich.

Dankbarkeit ist Balsam für die Seele. Es ist für mich ein schönes Gefühl sie zu geben, aber auch, sie zu bekommen. Sie ist nichts Einseitiges und kann zu Verständnis und Nähe führen. Wir denken oft dankbare Gedanken, aber ich würde mir wünschen, dass sie auch öfters ausformuliert werden. Denn so wissen wir auch viel schneller und effektiver, ob wir mit jemandem auf einer Wellenlänge sind. Wertschätzung für gerade alltägliche Dinge, die kleinen Dinge, die aber am meisten Durchhaltevermögen oder Disziplin oder Gedanken und Vorbereitung beanspruchen, dafür lohnt es sich doch, Danke zu sagen!

Habt einen schönen Sonntag ihr Lieben!

Bis bald,

Eure Maggy*

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