Ich bin Gold wert!

Ich bin Gold wert!

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Woche 4

Wir gehen in die Verlängerung.

Die erste Verlängerung meines Krankenstandes, in dem ich mich befinde, stand gestern an. Es ist und bleibt ein seltsames Gefühl. Da hält man Zettel in der Hand, eine Arbeitsunfähigkeitsmeldung & einen Befund, dennoch hat man keine Wunden, Narben oder Verletzungen die für alle Welt ersichtlich wären. Sich einzugestehen, dass dennoch etwas nicht rund läuft ist da gar nicht so einfach. Obwohl ich selbst betroffen bin, fällt es selbst mir schwer, anzunehmen, dass ich gerade eine Pause brauche um mich zu sammeln und zu heilen. Da stecken viele Stacheln in meinem „Fleisch“ die niemand sehen kann, aber sie tun weh und nun versuche ich einen nach dem anderen zu ziehen.

Doch für solche Aufgaben bedarf es zwei Dingen: Guter Musik & heissen Kaffee! Und da es bereits November ist, wird es Zeit die Weihnachtssaison einzuläuten. Die Christmas Playlist läuft und mein Kaffee dampft vor sich hin, Mist, ich habe die Weihnachtstasse vergessen raus zu holen! Mach ich morgen! Zurück zum Stachel ziehen…

„Wenn der Schmerz an deine Tür klopft, lass ihn herein. Setz dich mit ihm hin, trink Tee mit ihm, öffne ihm die Tür in dir selbst.“ Wieder so ein Satz den ich gelesen habe und der mich sofort gepackt hat. Najwa Zebian schreibt in ihrem Buch Welcome Home – A guide to building a home for your soul , wie wichtig es ist, dass man Schmerz zulässt. Es ist verlockend diesen einfach auszusperren und ihn von sich zu schieben. Man hat keine Zeit, keine Nerven, keine Kapazitäten, um sich mit ihm zu beschäftigen, denkt man. Dachte ich auch. Aber was passierte mir dann? Der Schmerz wurde immer größer und mächtiger und ich fühlte mich manchmal sogar schon als seine Gefangene. Nur, weil ich ihn nicht herein gelassen habe, heißt das ja nicht, dass er nicht da ist. Ganz im Gegenteil.

Dieses Zitat schwirrte mir die ganze Nacht durch den Kopf, an Schlaf war kaum zu denken. Während Maxi sich in sein Kissen kuschelte und meine Hündin Paula leise vor sich hin schnarchte, saß ich im Bett und habe raus auf die Straße gesehen. Habe Strassenbahn beobachtet, einsame Spaziergänger und die Wolken, die man dank des Mondlichtes hat ziehen sehen können. In meinem Kopf kreisten die Gedanken darum, welchen Schmerz ich nun zuerst herein lassen könnte. Einen alten, einen aktuellen? Und da bemerkte ich, das habe ich gar nicht in der Hand. Wenn man sich drauf einlässt und die Tür öffnet, dann kommt herein, was auch immer gerade von einem bearbeitet werden möchte. Und in meinem Fall, ist das heute Nacht das Thema Selbstwert gewesen.

Mir fiel es schon immer schwer, meinen Selbstwert aus mir selbst zu generieren. Ich bin der Verlockung verfallen, Selbstwert aus dem zu ziehen, was andere von mir dachten. Woher weiß ich denn aber, was jemand von mir denkt? Woher weiß ich denn, dass es stimmt, was man mir ins Gesicht sagt? Woher weiß ich denn, dass hinter meinem Rücken nicht ganz andere Dinge gesprochen werden? Richtig, ich weiß es nicht. Niemand weiss das und das ist das Gefährliche. Mit dieser Art habe ich unabsichtlich sehr viel „Macht“ über mich und mein Wohlbefinden in die Hände Anderer gelegt. Habe mich beinahe ausgeliefert und gepokert ob es gut geht, oder eben auch nicht. Und – Überraschung! Das geht natürlich nicht gut. Ebenfalls aus Najwa Zebians Buch stammt folgendes Zitat, welches diese Situation sehr gut zusammenfasst: „Wenn du dein Zuhause in anderen Menschen errichtest, dann gibst du ihnen auch die Macht, dich obdachlos zu machen.“ Wow, das sitzt!

Es gibt einen Satz, der mich die letzte Zeit verfolgte wie ein Schatten und den ich definitiv versucht habe auszusperren. „Maggy ist deiner Zeit und Mühen nicht wert.“ Mhm… da kullert beim Schreiben schon wieder die ein oder andere Träne über meine Wange. Aber genau deswegen sitze ich hier und lasse diesen Schmerz nun herein. Auf das er Tee trinke und sich dann für immer verabschiede. Dieser Satz stammt von, nennen wir sie Anne. Anne war, zumindest dachte ich das, eine Freundin, die sich buchstäblich in mein Leben gepflanzt hat und sehr gut darin gewesen ist mir Honig um den Mund zu schmieren. Doch dann bin ich ausgezogen, aus dem gemeinsamen Heim von meinem Mann & mir, und sofort waren die Teams verteilt. Wie bei Twilight – Team Edward und Team Jacob. Etwas kindisch, aber gut, das ist ein anderes Thema. Jeder hat seine Freunde, sein Umfeld, das einen auffängt und Zuspruch bereit hält. Wenn ich mal außer Acht lasse, dass mir dieser Satz vermutlich nie zu Ohren hätte kommen sollen, kann ich dennoch nicht umher, dass ich unfassbar verletzt und geschockt gewesen bin. Dass jemand der eigentlich mit mir befreundet sein wollte und sogar ein wenig um mein Leid und meine innere Zerrissenheit wusste, so etwas formulieren und zu ihm über mich sagen kann. Wenn ich gerade verzweifelt versuche mich zu retten, mir einen Platz zu schaffen an dem ich etwas zur Ruhe kommen und mich wieder zusammen setzen kann. Um Abstand zu gewinnen um zu heilen.

Dass meine Entscheidung Leid brachte ist mir bewusst. Dass nicht jeder mich versteht ist mir ebenso bewusst. Doch das Stadium in dem mich das abhalten würde, etwas zu tun, das für mich richtig ist, das habe ich hinter mir. Ich hätte nur nie gedacht, dass man so ein Vokabular verwenden kann, wenn man über einen Menschen spricht von dem man weiß, dass er leidet und den man vermeintlich gern hat und dem man zuvor sogar des Öfteren Hilfe angeboten hatte.

Doch wisst Ihr was? Ich habe die Hilfe nie angenommen. Weder das Angebot, dass Anne mal Babysitterin spielt noch dass sie als ausführliche Gesprächspartnerin fungiert. Da kommen wir wieder auf meinen Instinkt von letzter Woche zurück. Es war zu nett um wahr zu sein. Es hat sich einfach nie richtig angefühlt und im Nachhinein ärgere ich mich, Anne je anvertraut oder überhaupt etwas von meinem Seelenleben erzählt zu haben. Und weil mein Selbstwert erst jetzt so richtig Appetit daran findet, sich aus mir selbst zu nähren, traf mich dieser Satz damals mitten in meine sowieso geplagte Seele. Der Stachel bohrte sich tief und konfrontiert mich gerade jetzt um so mehr mit der Frage: „Was bin ich wert?“

Ganz einfach: Ich bin Gold wert!

Punkt. Der Blogpost könnte hier nun enden. Wenn es nur so einfach wäre, gell? Aber es ist wahr. Ich bin meine beste Freundin. Ich bin meine beste Stütze. Ich habe mich selbst durch jede Krise begleitet und habe jeden Höhepunkt mit mir zelebriert. Ich bin für mich selbst von unschätzbarem Wert, denn ich bin Gold wert! Und, um auf das verletzende Zitat von oben zurück zu kommen, ich bin jeden Zeiteinsatz und jedes Verständnis wert, vor allem wenn ich um Hilfe bitte, verzweifelt bin und selbst nicht mehr weiter komme!

Mein Ausziehen war ein Hilfeschrei, eine heftige Reaktion auf eine Situation, in der ich das Gefühl hatte mit Worten nicht mehr weiter zu kommen. Ich hatte den inneren Drang meine äußeren Umstände verändern zu müssen, um wieder innerlich zu mir selbst zu finden. Und über eine Odyssee an Ärzten und Medikamenten bin ich nun hier gelandet, im Burnout, und tue genau das, was wichtig & richtig ist: Stachel ziehen und heilen.

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Im Buch Welcome home stellt Najwa Zebian hierzu drei elementare Fragen, die ich nun versuche für mich selbst zu beantworten:

  • Wieso bin ich, wie ich bin?
  • Wieso verhalte ich mich so, wie ich es tue?
  • Weshalb und wie baue ich Verbindungen zu anderen auf?

Die erste Frage erscheint mir als die Schwierigste. Da werden noch viele Gedanken gedacht werden müssen, bis ich das ausformulieren kann. Aber in Verbindung mit den beiden anderen Fragen ergibt sich in meinem Kopf so langsam ein Bild. Und ein großer Dreh- & Angelpunkt ist mein Selbstwert und woraus ich diesen schöpfe. Die Zeiten, in denen ich danach strebe Selbstwert aus Anderen und deren Sicht auf mich zu schöpfen, müssen nun ein Ende finden. Interessanterweise sind die schönsten und stabilsten Verbindungen die ich habe genau jene, in denen dieses Muster überhaupt keine Rolle spielt. Wir schätzen und unterstützen uns auf ganz natürliche Art und Weise. Und sollte ich versucht sein, erneut in dieses alte Muster zu fallen, sollte ich mich vielleicht zunächst erst fragen, wieso dieses überhaupt noch einmal auftaucht.

Wieso ich mich so verhalten habe und nach äußerer Anerkennung strebte, weiß ich also. Auch, dass es manchmal ein Weg war Verbindungen zu anderen aufzubauen oder diese viel zu lange aufrecht zu halten. Ich weiß jetzt aber auch, ich brauche weder Annes Verständnis, noch ihre Erlaubnis oder gar ihre Absolution, um zu heilen. „Nur Du kannst dich selbst heilen.“ schreibt Najwa Zebian und damit hat sie so Recht! Denn was noch viel wichtiger ist für mich, auch eine etwaige Entschuldigung oder Anerkennung, mich verletzt zu haben, spielt keine Rolle. Ich dachte lange, ich kann nur heilen, wenn jemand die Verantwortung dafür übernimmt, mir weh oder Unrecht getan zu haben. Oder dass sogar nur eine Entschuldigung alles wieder gut macht in mir. Falsch gedacht. Der Wert von Gold steigt oder fällt nicht anhand solcher Dinge, mein Wert genauso wenig. Niemand von uns braucht das. Du nicht und ich auch nicht. Wir sind Gold wert! Und wir sollten anfangen uns auch so zu behandeln!

Ich wünsche Euch einen goldigen Start in Euren Tag!

Bis ganz bald!

Eure Maggy*

4 Gedanken zu “Ich bin Gold wert!

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