Odysseus würde erblassen

Odysseus würde erblassen

photo of glass of water beside capsules

Woche 2.2

Eisenmundspray, Oleovit Tropfen, Euthyrox Tabletten, Centrum Kautabletten, Cal-D-Vita Kautabletten … bei Bedarf SingulAir Tabletten & Berodula Asthmaspray.

Das ist der alltägliche Wahnsinn an kleinen Helferchen die ich, spätestens seit meiner Magenbypass Operation, meine stetigen Begleiter nenne. Gut, Euthyrox hilft gegen meine Schilddrüsenunterfunktion und ich sehe selbstverständlich ein, dass meine Verdauung seit der oben genannten Operation ein wenig Hilfe braucht beim Aufschlüsseln aller Vitamine & Co – doch es reicht jetzt.

Genau genommen reicht es seit Juli 2021.

Denn noch lange bevor ich mir wirklich bewusst wurde, dass viele Probleme die sich abzeichneten von meiner Psyche herrührten, suchte ich eine Ärztin auf, die sich auf alternative Methoden spezialisiert hatte. Schön und gut, es wurden teure Blutbilder gemacht und danach noch teurere Nahrungsergänzungsmittel verordnet. Treudoof wie ich bin, in der Hoffnung auf gesundheitliche Erlösung, marschierte ich also mit dem vermeintlich goldenen Ticket der Heilung zur nächsten Apotheke und kam mit einer randvoll bepackten Tasche nach Hause.

Die Vitamin-B Spritze gab es direkt in der Praxis. Daheim folgte Vitamin-C Pulver, Selen, ein Vitamin-B Kombipräparat, diverse extra gemischte Tinkturen für die Nase zum Sprühen und zum Gurgeln und irgendetwas auf dem Lactis drauf stand. Ich gestehe, ich habe es mir nicht gemerkt, denn on top kam die Empfehlung einer radikalen Kur, bei der nichts mehr übrig blieb zum Essen, das je einen Schatten geworfen hätte. Und da war dann Schluss. Zwei Wochen lang zwang ich mich das alles einzuhalten und – Überraschung – es ging mir nicht besser. Im Gegenteil.

Natürlich habe ich dennoch etwas gelernt. Die Ärztin erklärte mir, dass jede Einnahme von Antibiotika in meinem Leben die Darmflora beeinflusst habe und dadurch auch gute Bakterien abstarben, wodurch vermutlich Platz für weniger gesunde Kandidaten frei entstand und sich Pilze ansiedelten, die die Verdauung erschweren. Mein Blutbild ergab zudem, dass ich zumindest nicht von Geburt an laktoseintolerant gewesen bin und dass meine Mastzellen, eine körpereigene Abwehrzellenfraktion, aktuell durch die Decke gehen und einen nachweislichen Erschöpfungszustand aufweisen. Die innere Panik ein absolutes Frack zu sein, war also gleich mitgeliefert worden. Die mögliche Verbindung zur, kurz davor erhaltenen, Covid-Impfung, ließ die Ärztin völlig ausser acht. Schade, denn in Gesprächen mit Freunden und Bekannten zeichnet sich ab, dass besonders Autoimmunprobleme durch diese Impfungen kurzeitig gepusht werden können. Dieses Wissen hätte mich etwas beruhigt. Ich bin dennoch unendlich dankbar, dass wir mittlerweile eine Impfung gegen Corona verfügbar haben und ich würde sie jederzeit wieder in Anspruch nehmen.

Meine Odyssee mit den Mastzellen begann vor Jahren und führt, vor allem in Kombination mit Kalt-Warm ( Draussen zu Drinnen ) oder Stress, zur Nesselsucht. Mein ganzer Körper beginnt zu Jucken, es bilden sich Pusteln und ich werde rot wie ein Krebs. Hilfe: Cetirizin, ein freiverkäufliches Antihistaminikum. Ohne das gehe ich nicht mehr aus dem Haus. Spürte ich, dass die Nesselsucht im Anflug sein könnte, habe ich immer auf mein Gesicht gezeigt, um meine Mitmenschen, die Bescheid wussten, sozusagen zu fragen, ob man den Ausschlag bereits sehen konnte. Ein guter Freund antwortete mal ganz trocken: „Ja Maggy, dein Gesicht ist noch da!“ Herrlich, das war ein Lacher und das tat richtig gut!

Lachen kann so befreiend sein, auch wenn die Döschen in meinem Regal mit all den Wundermittelchen wenig zum Lachen animieren.

Durch meinen Magenbypass fehlen mir auch 40cm Dünndarm, daher kann mein Darm nicht mehr alle Nährstoffe aufschließen und daher sind gewisse Nahrungsergänzungsmittel sicher eine super Idee. Doch es nahm nun, wie ich finde, überhand . Die alljährliche Eiseninfusion bringt im Hinblick auf meine Abgeschlagenheit immer wieder eine erleichternde Besserung, doch wenn man meine Blutbilder mal genauer betrachtet, dann brauche ich Vieles eigentlich nicht, was ich die letzten Jahre pflichtbewusst „gefuttert“ habe. Ich finde es sehr schade, dass man immer eher weiter gereicht wird oder einem pauschale Tabletten angeboten werden, insbesondere Nahrungsergänzungsmittel und Schmerztabletten, anstatt einen Blick auf das grosse Ganze zu werfen.

In mühevoller, nervenaufreibender Kleinstarbeit habe ich nun endlich so einige Zusammenhänge verstanden. Mein Körper hat so viele kleine Baustellen und auch der Burnout zählt zu diesen. Der Weg begann mit dem Übergewicht, schritt über die Nesselsucht zu einer Histaminintoleranz, zu einer Laktoseintaoleranz, hin zu angeblich sämtlichen Unverträglichkeiten gegenüber Getreide, Nüssen, Nachtschattengewächsen usw. … Es ist eine endlose erscheinende Liste und all das nimmt sehr viel Platz in meinen Gedanken ein, denn es vermiest mir vor allem eines, das ich dennoch immer noch so gerne tue: Kochen, Backen & Essen. Alleine der Gedanke etwas zu essen, das wieder zu Bauchkrämpfen führte, ließ mich dann unlängst im Lebensmittelgeschäft stehen, direkt vor einem Regal voller kulinarischer Möglichkeiten und ich? Ich hatte absolut keine Idee mehr, was ich kochen könnte. Mein Kopf war leer. Der eingeschlichene Burnout half da nicht, der tanzte eher Tango in dem Moment. Und ich wusste, so kann es nicht weiter gehen, denn Rezepte, die Liebe zum Kochen & Backen und zum Essen, das bin ich, das ist meine Leidenschaft! Also Schluss damit, Schluss mit all den Tabletten! Und meine Therapeutin gab, Gott sei Dank, grünes Licht. Einfach kurzfristig mal alles weg lassen was nicht absolut wichtig ist – wie besagte Tabletten für die Schilddrüse- die bleiben natürlich.

Und dann, wenn der Medikamenten-Sturm sich gelegt hat, dann wird es ein neues Blutbild geben und wir schauen uns genau an, an welchem Punkt man arbeiten sollte. Die „See“ war wirklich sehr stürmisch für mich in letzter Zeit und noch hat die Odyssee kein Ende, aber der Wind dreht sich und das fühlt sich richtig gut an.

Gesundheit findet auf so vielen Ebenen statt und jede hängt mit den anderen zusammen. Ich kann nur jedem empfehlen auf den eigenen Körper zu hören und gerade in der heutigen Zeit auch mal den Mut aufzubringen, um etwas auf die Bremse zu treten. Hinterfragt, ob all die Mittelchen wirklich gerechtfertigt sind, die wir heute überall angeboten bekommen. Seid neugierig und hinterfragt.

Passt auf euch auf & bleibt gesund.

Bis bald,

Eure Maggy*

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