Die Nicht-Jetzt-Methode

Die Nicht-Jetzt-Methode

Woche 1.2

Manchmal werde ich gefragt, wie kann man jemandem etwas mitteilen, aber den vermeintlich vorprogrammierten Streit oder die vermutlich ausartende Diskussion vermeiden?

Gute Frage. Die habe ich mir selbst sehr oft gestellt. Zuerst aber kommt mittlerweile eine ganz andere Frage die wir alle viel zu leicht übersehen: Möchte ich diese Information denn wirklich mit jemandem teilen? Was sind denn eigentlich meine Erwartungen? Strebe ich nach einer zweiten Meinung, einem Input oder nach einer Absolution meiner eigenen Gedanken oder Taten?

Ich bin ein Mensch der sich oft danach verzehrt, dass er verstanden und so wahrgenommen wird, wie er sich selbst sieht. Puhhhhhh und da haben wir schon den ersten Fehler im System. Es hat viele viele Jahre gedauert, bis ich eingestehen konnte, dass niemand so gesehen werden kann, wie man sich selbst sieht. Wie denn auch? Nur wir kennen alles von uns. Jede zauberhafte Erinnerung, jede noch so schmerzliche Erfahrung, jeder noch so dunkle Gedanke. Niemand um uns herum weiss alles von uns, oder?

Zurück zu meiner Frage. Heute stelle ich mir diese Frage oft: Was erwarte ich denn? Die Antwort darauf findet man eventuell nicht sofort, aber hatte ich einmal dieses Muster etabliert, dann fiel es mir immer leichter schneller meine Gedanken zu sortieren und zu entscheiden wie es nun weiter geht. Gerade jetzt da mir gefühlt wenige gedankliche Kapazitäten vergönnt sind, ist das eine hilfreiche Methode. Die „Nicht-Jetzt-Methode“.

2016 habe ich mich unter Anraten meines Hausarztes dazu entschieden eine Magenverkleinerung vornehmen zu lassen. Mehr dazu bald in einem eigenen Post, versprochen! Die emotionale Last und auch die körperlichen Gebrechen hatten ein Stadium erreicht in dem ich alleine nicht mehr weiter kam und ich war unendlich dankbar, dass es nun doch einen Weg zu geben schien, der mir helfen konnte. Und genau das hat mein Frodo – jap, so heisst mein Magenbypass, als bekennende LOTR Fanin – auch getan, er hat mir geholfen. Doch natürlich stellt sich dann die Frage, wem teilt man diese Entscheidung mit und wann? Es war für mich ganz klar, dass ich es meinen Eltern sagen möchte, doch auch wenn mir bewusst gewesen ist, dass sie Sorgen und Bedenken haben bezüglich einer so buchstäblich einschneidenden Operation, wollte ich im Augenblick der Neuigkeit nicht darüber diskutieren. Dafür fehlte mir die Kraft und zu gewissen Teilen hatte ich die Angst, einfach nicht vermitteln zu können, wie hoch der Leidensdruck meinerseits bereits zu diesem Zeitpunkt gewesen ist.

In einer Gesprächstherapie die bis dahin schon etwas zurück lag hatte ich zum Glück die „Nicht-Jetzt-Methode“ kennen gelernt und sie dann zu dieser Gelegenheit aus den tiefen meines Gedächtnisses gekramt: Mama, Papa – ich möchte dass Ihr wisst, dass ich eine Magenoperation machen lassen werde. Es ist mir sehr wichtig, dass Ihr das wisst und ich gebe Euch gerne alle Infos die Ihr wissen möchtet, aber jetzt gerade möchte ich nicht darüber diskutieren. Wir können gerne zu einem späteren Zeitpunkt auf dieses Thema zurück kommen wenn wir uns alle unsere Gedanken gemacht haben und Fragen entstanden sein sollten. Punkt.

Und, es hat funktioniert! Es entstand kein Streit, keine Enttäuschung, keine Diskussion und in vielen folgenden Gesprächen konnten wir in Ruhe darüber reden was Risiken und Veränderungen anging. Das war sehr erleichternd für mich, aber auch sehr neu. Seither habe ich diese Methode lieb gewonnen und frage mich daher immer zuerst ob ich etwas mitteilen möchte als reine Informationsgabe, dann ist alles gut. Sind aber Erwartungen an so etwas geknüpft, dass mein Gegenüber z.B. auf eine bestimmte Art reagieren soll damit ich mich dadurch besser oder gar bestätigt fühle, dann wird das Eis etwas dünner und es ist eventuell besser die Methode anzuwenden aber auch ordentlich zu reflektieren ob die eigenen Erwartungen gerechtfertigt sind.

Ich habe mich leider schon oft erwischt, dass ich eine wichtige Information mitteilen wollte, aber meine Erwartungen den Moment bereits im Vorhinein zum Scheitern verurteilt hatten. Und dann ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Ich habe unlängst in einer Dokumentation über Menschen die Horten um ihre innere Leere auszugleichen oder mentale und emotionale Probleme zu bewältigen gehört, wie die Therapeutin die beteiligt gewesen ist zur Betroffenen sagte: Ich weiss Liebes, Du bist immer entäuscht. Jeden Tag. Von deinen Mittmenschen und vom Leben, stimmt´s?

Wow, das hat gesessen. Da bekam ich richtig Gänsehaut. Nun horte ich zwar nicht – auch wenn es sicher das ein oder Andere gibt das ich gerne sammle – aber ich konnte sofort verstehen worum es ging. Meine eigenen Erwartungen haben mir oft Knüppel zwischen die Beine geworfen und haben mich im Leben sehr viel öfters enttäuscht zurück gelassen als überrascht oder erfreut und das Traurige ist, das meistens grundlos. Wo andere Freude sahen, sah ich die kleinen vermeintlichen „Mängel“. Wo andere offen etwas kommunizieren sah ich eine Minderschätzung meiner Gedanken & Taten. Wo andere sich freuen etwas tun zu können, kamen bei mir die Gedanken ich sei nicht gut genug um mich freuen zu dürfen. Wo wir dann beim Thema Selbstwert landen. Aber dies ist Thema für einen ganz eigenen Blogpost.

Burnout hat viele Facetten und zwingt einen genauer hinzusehen, Muster zu analysieren und aufzubrechen die einen in einer falschen Sicherheit gewägt haben. Die „Nicht-Jetzt-Methode“ hilft mir zu filtern was wirklich wichtig ist mitzuteilen und öffnet eine Tür das auch das Gegenüber Zeit hat sich Gedanken machen zu können.

Was sind denn Deine Mechanismen für eine gute Kommunikation? Alles spontan oder machst auch Du Dir oft Gedanken vor einem Gespräch? Lass es mich in den Kommentaren wissen! …denn niemand bekommt gerne die verbale Pistole auf die Brust gesetzt und ein Weilchen später zum Thema zurück zu kommen kann sehr hilfreich und heilend sein. Aber immer mit einer Tasse Kaffee in der Hand gell!

Bis bald,

Bussis Maggy*

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